EurWORK European Observatory of Working Life

Entwicklungen im Bereich der Arbeitszeit ? jährliche Aktualisierung für 2000

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Country: 
EU Level
Author: 
Mark Carley

Die vorliegende jährliche Aktualisierung liefert einen Überblick über die Entwicklungen der Arbeitszeit in der Europäischen Union (inklusive Norwegen) für die Jahre 1999 und 2000. Es zeigte sich, dass die durchschnittliche tariflich vereinbarte wöchentliche Arbeitszeit im Jahr 2000 38,1 Stunden betrug; das ist eine halbe Stunde weniger als 1999, wobei ein beträchtlicher Teil dieser Reduzierung auf die Einführung der 35-Stundenwoche in Frankreich zurückzuführen ist. In 14 der untersuchten Länder beträgt die tariflich vereinbarte Arbeitszeit zwischen 37 und 39 Wochenstunden. Nach Sektoren gegliedert führt der Chemiesektor die Zahl der tariflich vereinbarten Wochenstunden an, gefolgt vom Einzelhandel und dem öffentlichen Dienst. Durchschnittlich besteht ein Anspruch auf fast 26 Tage bezahlten Jahresurlaub.

Auch in den Jahren 1999 und 2000 bildete das Thema der Arbeitszeit unionsweit den Schwerpunkt in den Arbeitsbeziehungen. Obwohl pauschale groß angelegte Kürzungen der Arbeitswoche durch Tarifverhandlungen momentan zum Stillstand gekommen zu sein scheinen, stehen sie noch immer auf der Tagesordnung vieler Gewerkschaften (wie beispielsweise in Griechenland, Portugal oder Spanien) und Regierungen (wie in Belgien). Eine entscheidende Ausnahme stellt Frankreich dar, wo die Gesetzgebung über die Einführung der 35-Stundenwoche die Verhandlungen der vergangenen Jahre dominierte. Überdies werden in einigen Ländern noch immer beträchtliche Arbeitszeitkürzungen für bestimmte Sektoren und Unternehmen ausgehandelt (so z.B. in Spanien). Geringere Kürzungen sowie kürzere Arbeitszeiten in Form von zusätzlichem Urlaub, oftmals gekoppelt mit der Einführung höherer Flexibilität, sind immer noch an der Tagesordnung (beispielsweise in Dänemark und Schweden).

Auch auf EU-Ebene ist die Arbeitszeit ein Themenschwerpunkt. Im Jahr 2000 wurde beispielsweise die Richtlinie über bestimmte Aspekte der Arbeitszeitgestaltung (Directive on certain aspects of the organisation of working time - Richtlinie des Rates über bestimmte Aspekte der Arbeitszeitgestaltung) von 1993, die neben anderen Bestimmungen die 48-Stundenwoche als Maximum festlegte, auch auf eine Reihe vorher ausgenommener Sektoren und Aktivitätsbereiche ausgedehnt (Extension of working time Directive agreed - EU0005249F). Die beschäftigungspolitischen Leitlinien der EU für das Jahr 2001 (2001 Employment Guidelines) halten die Sozialpartner an, "sich auf einen Prozess zur Modernisierung der Arbeitsgestaltung inklusive flexibler Beschäftigungsmodelle zu einigen und diesen umzusetzen, mit dem Ziel, Unternehmen produktiv und wettbewerbsfähig zu machen und das erforderliche Gleichgewicht zwischen Flexibilität und Sicherheit zu finden. Zu behandelnde Themen könnten u.a. Arbeitszeitfragen wie die Darstellung der Arbeitszeit als Jahresstatistik, Arbeitszeitreduzierung und Überstundenabbau sein." Weitere Arbeitszeitreduzierungen sind noch immer eine zentrale Forderung der Gewerkschaftsbewegung in ganz Europa. Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) nahm beispielsweise auf seinem Kongress von 1999 (Ninth ETUC Congress calls for a European system of industrial relations - EU9907182F) eine Resolution an, in der er sich verpflichtete, sich weiterhin für die 35-Stundenwoche und alle anderen Formen der Reduzierung und Neuorganisation der Arbeitszeit durch Tarifverhandlungen einzusetzen, wo nötig auf angemessene Weise in Verbindung mit Gesetzesinitiativen. Der Europäische Metallgewerkschaftsbund (EMB) nahm 1998 eine Arbeitszeitcharta (Europeanisation of collective bargaining? The case of Belgian metalworking - BE9912311F) an, die das Ziel der 35-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich aufstellte, alle Forderungen nach einer Erhöhung der Arbeitszeit ablehnte und einen europäischen Mindeststandard von jährlich maximal 1 750 vertraglichen Arbeitsstunden festlegte (was umgerechnet einer 38-Stundenwoche entspricht).

Mittels der vorliegenden Aktualisierung der Europäischen Beobachtungsstelle für die Entwicklung der Arbeitsbeziehungen (EIRO), die auf den Beiträgen ihrer nationalen Zentren basiert, soll ein Überblick über die Arbeitszeitdauer in der EU (inklusive Norwegen) in den Jahren 2000 (und 1999) gegeben werden. Wie in anderen Bereichen der Arbeitsstatistik ergeben sich zahlreiche Schwierigkeiten beim internationalen Vergleich der Arbeitszeitdauer. Nicht in allen Ländern werden vergleichbare Daten erhoben und spezielle Probleme ergeben sich beispielsweise durch die unterschiedlichen Berechnungsweisen der Arbeitszeit, wobei in bestimmten Ländern Berechnungen auf Jahres- statt auf Wochenbasis immer üblicher werden; durch die Tatsache, dass in einigen Ländern Arbeitszeitreduzierungen durch zusätzliche freie Tage oder Kürzungen der Jahresarbeitsstunden realisiert werden, was zu nahezu unveränderten regulären Wochenarbeitsstunden führt; durch die Zunahme von Beschäftigungsmodellen, durch die die Wochenstunden erheblich von dem im Bezugszeitraum erzielten Durchschnitt abweichen; durch die Einbeziehung von Teilzeitbeschäftigten sowie die unterschiedlichen Rollen von Verhandlungen und Gesetzgebung, wobei letztere in einigen Ländern Einfluss auf die effektive Arbeitszeit nimmt, während sie in anderen nur eine Höchstgrenze als Sicherheitsnetz vorgibt. Statistiken der regulären wöchentlichen Arbeitszeit sind im zwischenstaatlichen Vergleich auch deshalb problematisch, weil sie Aspekte wie Überstunden oder die Dauer des Jahresurlaubs und anderer Urlaubsarten nicht berücksichtigen.

Wie bei allen jährlichen EIRO-Aktualisierungen ist es hier Ziel, einige generelle Daten zur momentanen Entwicklung zur Verfügung zu stellen und auf die Schwierigkeiten beim Vergleich hinzuweisen. Aus Platzgründen und weil an dieser Stelle kein Statistikleitfaden entstehen soll, fehlen ausführliche Erläuterungen zur Erhebung der Daten in den einzelnen Ländern; es soll vielmehr auf die Probleme hingewiesen werden. Die aufgeführten Statistiken sollten mit extremer Vorsicht behandelt und die diversen Anmerkungen und Erläuterungen sorgfältig gelesen werden.

Durchschnittliche tariflich vereinbarte Wochenarbeitsstunden

Tarifverhandlungen spielen in allen hier betrachteten Ländern eine Schlüsselrolle. Diese Rolle variiert jedoch stark aufgrund verschiedener Verhandlungsebenen mit unterschiedlichem Einfluss (sektorübergreifend, auf den Sektor beschränkt, unternehmensweit etc.) und aufgrund der erheblich variierenden Reichweite der Tarifverhandlungen. Darüber hinaus variiert die Bedeutung der Verhandlungen zwischen den verschiedenen Wirtschaftssektoren und Beschäftigungsgruppen beträchtlich. Auch das Verhältnis von Verhandlungen und gesetzlichen Vorschriften ist von Land zu Land unterschiedlich. In Abbildung 1 unten werden für sämtliche Wirtschaftsbereiche die durchschnittlichen regulären Wochenarbeitsstunden für Vollzeitbeschäftigte in allen 16 im Jahr 2000 betroffenen Ländern angegeben, wie sie durch Tarifverhandlungen festgelegt wurden.

Quelle: EIRO; * Angabe von 1999; **Angabe von 1998.

Abbildung 1 sollte in Verbindung mit den folgenden Anmerkungen gelesen werden.

  • Österreich: Angaben des Österreichischen GewerkschaftsbundsÖGB.
  • Belgien: Angabe bezieht sich auf die durch sektorübergreifende tarifliche Vereinbarung festgelegte gesetzliche Arbeitswoche.
  • Finnland: Angabe des statistischen Amtes von Finnland; Statistik zur Verdienststruktur.
  • Frankreich: Angabe bezieht sich auf die gesetzlichen regulären Wochenstunden, die üblicherweise in Sektortarifvereinbarungen befolgt werden; Angabe gilt für Firmen mit mehr als 20 Mitarbeiter/-innen (kleinere Firmen fallen 2000 noch unter die 39-Stundenwochen-Regelung).
  • Deutschland: Angabe gültig für Westdeutschland; der Wert für Ostdeutschland betrug im Jahr 2000 39,2; Daten des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts, WSI; Tarifarchiv.
  • Griechenland: Angabe des Nationalen Statistischen Amtes (ESYE).
  • Italien: Spannweitenmittel von tariflichen Vereinbarungen zur Einführung der 36- bis 40-Stundenwoche; Daten aus Arbeitszeitstatistiken des Nationalen Rates für Wirtschaftsangelegenheiten und Arbeit (Consiglio generale dell'economia e del lavoro, Cnel).
  • Luxemburg: Schätzwert
  • Norway: inoffizielle Angabe auf der Grundlage von Arbeitsmarkterhebungen des statistischen Amtes von Norwegen.
  • Portugal: Angabe des Ministeriums für Arbeit und Solidarität.
  • Spanien: Schätzung (bei Annahme einer Sechstagewoche und 274 Arbeitstagen pro Jahr); beruht auf vorläufigen Angaben des Ministeriums für Arbeit und Soziales (MTAS) zu Jahresarbeitsstunden.
  • Schweden: Spannweitenmittel von Tarifvereinbarungen über 37,5?40 Wochenstunden.
  • Großbritannien: Angabe entspricht dem Durchschnitt der Werte für Arbeiter/-innen (38,2), Angestellte (36,8) und Arbeitnehmer/-innen mit "Einheitsstatus" (37,5), wie sie in der Incomes Data Services (IDS)-Studie 677 vom Oktober 2000 angegeben wurden.

Abbildung 1 liefert nur für das Jahr 2000 Angaben, da diese in den meisten Fällen mit denen von 1999 identisch sind. Die größte Änderung ergab sich in Frankreich, wo im Jahr 2000 die gesetzliche 35-Stundenwoche für Firmen mit mehr als 20 Angestellten in Kraft trat (Law on the 35-hour week is in force - FR0001137F) und die tariflich ausgehandelten Stunden im Großen und Ganzen damit übereinstimmten. Auch in Finnland und Luxemburg kam es im Jahr 2000 zu geringfügigen Reduzierungen der durchschnittlich ausgehandelten Wochenstunden. Mit Ausnahme Frankreichs zeigen die Angaben, dass es im Jahr 2000, genau wie 1999, in der EU größtenteils keine wesentlichen Arbeitszeitreduzierungen gab. Dennoch sanken die durchschnittlichen Gesamtwochenstunden von 38,6 im Jahr 1999 auf 38,1 im Jahr 2000, was größtenteils auf die Reduzierung in Frankreich zurückzuführen ist (teilweise jedoch auch auf Änderungen bei der Berechnung der Angaben). Weitere Schlussfolgerungen aus den Angaben sind u.a.:

  • mit Einführung der 35-Stundenwoche in Frankreich ist die Spannbreite der regulären tariflich vereinbarten Wochenstunden in den 16 Ländern größer geworden: fünf Stunden liegen zwischen der Minimalzahl (35) und der Maximalzahl (40) ? 1999 waren es noch drei Stunden. 14 Länder haben jedoch eine reguläre Arbeitswoche mit zwischen (einschließlich) 37 und 39 Stunden;
  • ein klarer Trend bezüglich geografisch definierter Ländergruppen lässt sich nur schwer ausmachen. Zwar zählen die südlichen Mitgliedstaaten Griechenland, Portugal und Spanien zu den Ländern mit überdurchschnittlich hohen Wochenarbeitsstunden und die nördlichen Länder wie Dänemark, Deutschland, die Niederlande und Norwegen zu denjenigen mit den niedrigsten, jedoch gehören Belgien, Luxemburg und Schweden ebenfalls zu den Ländern mit hoher Stundenzahl, während Italien unter dem Durchschnitt liegt;
  • das seit langer Zeit bestehende Gewerkschaftsziel einer 35-Stundenwoche wurde in Frankreich verwirklicht, auch wenn dies unter dem Druck des Gesetzgebers geschah. Die anderen Länder sind noch weit von einer Realisierung entfernt (auch wenn das Ziel in bestimmten Sektoren, wie dem deutschen Metallsektor, umgesetzt wurde).

Angaben zu tariflich vereinbarter Jahresarbeitszeit ? die aufgrund der Berücksichtigung von Faktoren wie Urlaub, Feiertage und Flexibilitätsvereinbarungen vielleicht ein genaueres Maß für die Dauer der Arbeitszeit liefern, sind für einige Länder verfügbar und finden sich in Tabelle 1 unten. Dieser Jahresstundenüberblick führt für bestimmte Länder zu erheblich anderen Rangplätzen als in der Wochenstundenübersicht. Deutschland hat unter den acht Ländern die niedrigste Jahresstundenzahl, gefolgt von Frankreich, während Finnland und Spanien die höchsten Jahresstundenzahlen haben. Belgien, das sich unter den Ländern mit den meisten tariflich vereinbarten Wochenstunden befindet, bewegt sich in der unteren Hälfte der Jahresstundenrangfolge, während die Niederlande sich trotz einer der niedrigsten Wochenstundenzahlen in der oberen Hälfte der Jahresstundenrangfolge befinden.

Tabelle 1. Durchschnittliche tariflich vereinbarte Jahresarbeitsstunden, 1999 und 2000
Land 1999 2000
Belgien 1 714 k. A.
Dänemark 1 717 1 695
Finnland 1 850 k. A.
Frankreich 1 735 1 667
Deutschland 1 643 k. A.
Italien 1 739 1 739
Niederlande 1 744 1 744
Spanien 1 765 1 763

Quelle: EIRO.

Die Angaben in Tabelle 1 sollten in Verbindung mit den folgenden Anmerkungen gelesen werden:

  • Belgien: Der vom Zentralen Planungsamt und Ministerium für Arbeit und Beschäftigung übernommene Wert gilt ausschließlich für den Privatsektor.
  • Dänemark: Berechnung: 52 x 37 Stunden minus fünf Wochen Jahresurlaub im Jahr 1999 und sechs Wochen im Jahr 2000 minus Sonderurlaub.
  • Finnland: Schätzung, Basiskalkulation 48 x 38 Stunden plus tariflich vereinbarte Überstunden.
  • Frankreich: Schätzung, Basiskalkulation = Anzahl der Jahrestage minus 25 Tage Jahresurlaub, 11 Feiertagen und zwei freien Tagen pro Woche, multipliziert mit der angebotenen Arbeitszeit von 38,56 Stunden im Jahr 1999 und von 36,92 Stunden im Jahr 2000).
  • Deutschland: (vorläufige) Angabe gilt nur für Westdeutschland (Wert für Ostdeutschland betrug 1999 1 730), Daten aus den WSI-Tarifarchiv.
  • Italien: Angabe gilt ausschließlich für Industrie; Angabe für 2000 vorläufig; Angaben aus Arbeitszeitstatistiken des Cnel.
  • Niederlande: Angaben verstehen sich inklusive freier Tage, die im Rahmen von Tarifvereinbarungen zu Arbeitszeitreduzierung gewährt werden (1 850 ohne diese freien Tage).
  • Spanien: vorläufige Statistiken aus Arbeitsstatistikpublikationen des MTAS.

Gesetzliche maximale Arbeitszeit in Wochen- und Tagesstunden

Tarifverhandlungen über die Arbeitszeitdauer finden im Rahmen gesetzlicher Regelungen zur maximalen Arbeitszeit in nahezu allen Ländern statt. Die gesetzlichen Regelungen sollten zumindest die Bestimmungen der Richtlinie über bestimmte Aspekte der Arbeitszeitgestaltung (Directive (93/104/EC) on certain aspects of the organisation of working time) von 1993 umfassen, wozu eine maximale Arbeitswoche von 48 Stunden (im Durchschnitt über einen Bezugszeitraum, der vier Monate nicht überschreitet) eine minimale tägliche Ruhezeit von 11 Stunden und eine Tagesstundenbegrenzung von acht Stunden für Nachtarbeiter/-innen zählt. Eine Ausnahme bildet Dänemark, wo keine gesetzlichen Vorschriften zur maximalen Arbeitszeit existieren und die EU-Richtlinie über den Weg von Tarifverhandlungen (wie in diesem Land üblich) umgesetzt wird. Tabelle 2 unten gibt die gesetzlich vorgeschriebene Höchstdauer der Arbeitswoche in den anderen 15 Mitgliedstaaten an.

Tabelle 2. Gesetzliche Höchstdauer der Arbeitswoche, 2000
Frankreich 48
Deutschland 48
Griechenland 48
Irland 48
Italien 48
Luxemburg 48
Niederlande 48
Großbritannien 48
Österreich 40
Finnland 40
Norwegen 40
Portugal 40
Spanien 40
Schweden 40
Belgien 39

Quelle: EIRO.

Wie Tabelle 2 zeigt, lassen sich die Länder in zwei Hauptgruppen einteilen: diejenigen, die ihr Wochenstundenmaximum auf die in der EU-Arbeitszeitrichtlinie festgelegten 48 Stunden festlegen (Frankreich hat eine Wochenstundenhöchstzahl von 48, wobei 35 Stunden der gesetzlichen normalen Arbeitswoche entsprechen) und diejenigen, die eine erheblich niedrigere Begrenzung von 40 Stunden (bzw. 39 in Belgien) festlegen. In der ersten Gruppe liegt das gesetzliche Maximum erheblich höher als die durchschnittlich tariflich vereinbarten wöchentlichen Arbeitsstunden und die tatsächlichen durchschnittlichen Wochenstunden (siehe für vorhandene Angaben Tabelle 4 unten.) Diese Bestimmung scheint daher hauptsächlich als "Sicherheitsnetz" zu fungieren. In der zweiten Ländergruppe liegt die gesetzliche Höchstdauer erheblich näher an den durchschnittlich ausgehandelten oder tatsächlichen Wochenstunden (und entspricht in Belgien der tariflich vereinbarten Stundenzahl), was auf eine aktivere Rolle des Gesetzgebers bei der Einteilung der Arbeitszeit hindeutet.

Die gesetzlichen Höchstwerte können in vielen Ländern im Rahmen von flexiblen Arbeitszeitmodellen überschritten werden, bei denen Wochenstunden während eines Bezugszeitraums variieren dürfen (wie in der EU-Richtlinie vorgesehen). Hier einige Beispiele:

  • in Finnland dürfen die Wochenstunden über einen Bezugszeitraum von 52 Wochen hinweg variieren, sofern ein Wochenstundendurchschnitt von 40 Stunden gewahrt bleibt;
  • in den Niederlanden ist die Höchstdauer von 48 Stunden über einen dreizehnwöchigen Bezugszeitraum zu wahren. Kommt es zu keiner Einigung zwischen Arbeitgeber und Gewerkschaft (oder Betriebsrat) beträgt die gesetzliche Höchstdauer pro Tag neun Stunden, sie kann jedoch per Tarifvereinbarung auf 12 Stunden erhöht werden, sofern die durchschnittliche Wochenstundenzahl während eines Bezugszeitraums von vier Wochen nicht über 60 liegt (und innerhalb eines dreizehnwöchigen Zeitraums 48 nicht überschreitet);
  • in Portugal ist eine 50-Stundenwoche möglich, sofern der Durchschnitt von 40 Stunden innerhalb eines viermonatigen Bezugszeitraums eingehalten wird;
  • in Spanien darf die Anzahl der Wochenstunden höher liegen, sofern innerhalb eines Bezugszeitraums ein Durchschnitt von 40 Wochenstunden eingehalten wird;
  • in Großbritannien darf die Wochenstundenzahl 48 überschreiten, sofern dieser Durchschnitt über einen Bezugszeitraum von 17 Wochen eingehalten wird.

Sämtliche hier betrachteten Länder haben überdies eine gesetzliche Arbeitstagshöchstdauer, wie in Tabelle 3 unten ersichtlich (Dänemark bildet erneut eine Ausnahme). In Irland, Italien und Großbritannien existiert (außer für Nachtarbeiter/-innen) keine ausdrückliche Höchstdauer des Arbeitstages, doch lässt sich über die in der Richtlinie festgelegte tägliche elfstündige Ruheperiode eine Höchstdauer von 13 Arbeitsstunden ableiten. Auch hier können die Arbeitsstunden pro Tag im Rahmen flexibler Arbeitszeitmodelle häufig höher sein. Hierzu einige Beispiele:

  • in Finnland dürfen die täglichen Arbeitsstunden innerhalb eines Bezugszeitraums von 52 Wochen variieren, sofern ein Wochendurchschnitt von 40 Stunden gewahrt bleibt;
  • in Deutschland dürfen die täglichen Arbeitsstunden auf 10 erhöht werden, sofern innerhalb eines Bezugszeitraums von 24 Wochen ein Durchschnitt von acht Stunden gewahrt bleibt;
  • wie oben erwähnt liegt die gesetzliche Höchstdauer der Arbeitszeit in den Niederlanden bei täglich neun Stunden, sofern es zwischen Arbeitgeber und Gewerkschaft (oder Betriebsrat) zu keiner Einigung kommt. Bei einer Einigung kann die tägliche Arbeitszeit auf zwölf Stunden erhöht werden, sofern die durchschnittliche Wochenarbeitszeit innerhalb eines vierwöchigen Bezugszeitraums 60 Stunden nicht überschreitet (und innerhalb eines dreizehnwöchigen Bezugszeitraums 48 Stunden nicht überschreitet);
  • in Spanien darf die tägliche Arbeitszeit erhöht werden, sofern der Durchschnitt von neun Stunden innerhalb eines Bezugszeitraums gewahrt bleibt;
  • in Schweden darf die tägliche Arbeitsstundenzahl unter bestimmten Umständen variieren.
Tabelle 3. Gesetzliche Höchstdauer der täglichen Arbeitszeit, 2000
Irland 13
Italien 13
Großbritannien 13
Österreich 10
Frankreich 10
Luxemburg 10
Portugal 10
Niederlande 9
Norwegen 9
Spanien 9
Belgien 8
Finnland 8
Deutschland 8
Griechenland 8
Schweden 8

Quelle: EIRO.

Nach Sektor gegliederte tariflich vereinbarte Wochenarbeitsstunden

Der Wiedergabe der gesamtwirtschaftlichen Daten folgt unten eine Darstellung der Angaben für die einzelnen Sektoren. Es folgen Angaben zu den durchschnittlichen regulären Wochenarbeitsstunden für Vollzeitbeschäftigte, wie sie durch Tarifverhandlungen in ausgewählten Sektoren als Repräsentanten der Sektoren des verarbeitenden Gewerbes (Chemiesektor), der Dienstleistungen (Einzelhandel) und des öffentlichen Dienstes (zentralen öffentlichen Dienstes) vereinbart wurden. Auch wenn diese spezifischeren Daten vermutlich genauer als die Gesamtdurchschnittswerte des vorangehenden Abschnitts sind, wird auch hier zu extremer Vorsicht bei ihrer Benutzung geraten. Die Anmerkungen unter jeder Angabe sollten sorgfältig gelesen werden und alle oben genannten Vorbehalte gelten auch für die sektorenbezogene Statistik.

Im Vergleich der drei Sektoren ergeben sich die höchsten tariflich vereinbarten Wochenarbeitsstunden im Jahr 2000 für den Chemiesektor mit 38,4 Stunden, gefolgt vom Einzelhandel mit 38,8 Stunden und dem öffentlichen Dienst mit 37,7 Stunden. Im Chemiesektor sowie dem Einzelhandel lag die durchschnittliche Stundenzahl über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt von 38,1 Stunden, während sie im öffentlichen Dienst unter dem Durchschnitt lag. Die einzigen großen Änderungen zwischen 1999 und 2000 ergaben sich durch die Reduzierung von 39 auf 35 Stunden im französischen Chemiesektor und Einzelhandel, was einen weiteren Beweis für den offensichtlichen Stillstand der Bestrebungen nach kürzeren Arbeitszeiten in fast allen Ländern liefert.

Chemiesektor

Abbildung 2 unten enthält ausschließlich Angaben für das Jahr 2000 und trägt damit der Tatsache Rechnung, dass es in allen Ländern praktisch keine Veränderungen im Vergleich zum Vorjahr gab (Ausnahme: Frankreich, wo 2000 die 35-Stundenwoche eingeführt wurde ? vorher 39-Stundenwoche). Die längsten Wochenstunden (40) gibt es in Griechenland, Luxemburg, Portugal und Schweden und die niedrigsten (mit relativ großem Abstand) in Frankreich (35). Die Zeitspanne von fünf Stunden ist dieselbe wie bei den gesamtwirtschaftlichen durchschnittlichen Wochenarbeitsstunden. Die Gesamtrangordnung der Länder entspricht derjenigen für die gesamtwirtschaftlichen Daten, obwohl die Arbeitsstundenzahl im belgischen, niederländischen, finnischen, luxemburgischen und schwedischen Chemiesektor erheblich niedriger als der jeweilige nationale Durchschnitt ist, während die finnische Arbeitsstundenzahl erheblich höher liegt (wobei jedoch für dieses Land nur ein Wert für das Jahr 1999 vorliegt). Generell ist die durchschnittliche tariflich vereinbarte Arbeitswoche im Chemiesektor mit 38,4 Stunden geringfügig länger als die Gesamtdurchschnittswoche (38,1 Stunden).

Quelle: EIRO; * Zahl von 1999.

Abbildung 2 sollte in Verbindung mit den folgenden Anmerkungen gelesen werden.

  • Österreich: Angaben des ÖGB.
  • Belgien: Tarifvereinbarungen für Arbeiter und Angestellte führen zur 38-Stundenwoche.
  • Finnland: Angabe gilt für den gesamten Industriesektor.
  • Frankreich: eine Vereinbarung von 1998 zur Einführung einer 35-Stundenwoche wurde nicht auf den gesamten Sektor ausgedehnt.
  • Deutschland: Die Angaben aus dem WSI-Tarifarchiv beziehen sich auf Westdeutschland ? der Wert für Ostdeutschland betrug 39,2 Stunden.
  • Griechenland: 39-Stundenwoche gilt für Teilbereiche der Industrie.
  • Niederlande: Durchschnittswert aus verschiedenen unternehmensinternen Vereinbarungen.
  • Portugal: Arbeitszeit gesetzlich geregelt ? Tarifvereinbarung des Chemiesektors umfasst keine Regelung der wöchentlichen Arbeitszeit.
  • Spanien: Schätzung (bei Annahme einer Sechstagewoche und 274 Arbeitstagen pro Jahr) auf Grundlage vorläufiger MTAS-Werte für jährliche Arbeitsstunden.
  • Großbritannien: IDS-Werte (siehe Anmerkung zu Abbildung 1 oben) beziehen sich auf den Chemiesektor und die Mineralölindustrie.

Einzelhandel

Abbildung 3 unten enthält ausschließlich Angaben zu tariflich vereinbarten Wochenarbeitsstunden für das Jahr 2000 und trägt damit ebenfalls der Tatsache Rechnung, dass es in allen Ländern praktisch keine Veränderungen im Vergleich zum Vorjahr gibt, mit Ausnahme von Frankreich, wo 2000 die 35-Stundenwoche eingeführt wurde (vorher 39-Stundenwoche) und den Niederlanden, wo die wöchentliche Arbeitszeit von 39 auf 38 Stunden reduziert wurde. Die längste Wochenarbeitszeit (40 Std.) besteht in Griechenland, Italien, Luxemburg, Portugal und Schweden und die niedrigste in Frankreich (35 Std.). Die Zeitspanne von fünf Stunden ist dieselbe wie bei der durchschnittlichen wöchentlichen Gesamtarbeitszeit. Die Arbeitszeit im belgischen Einzelhandel ist erheblich niedriger als im nationalen Durchschnitt, während sie in Italien, Luxemburg, den Niederlanden und Schweden erheblich höher ist. Im Gesamtüberblick ist die durchschnittliche tariflich vereinbarte Arbeitswoche im Einzelhandel mit 38,3 Stunden geringfügig länger als die Gesamtdurchschnittswoche (38,1 Std.).

Quelle: EIRO; * Zahl von 1999.

Abbildung 3 sollte in Verbindung mit den folgenden Anmerkungen gelesen werden.

  • Österreich: Angaben des ÖGB.
  • Belgien: Angaben beziehen sich auf Tarifvereinbarungen für Supermärkte (Wochenarbeitsstunden ab 1.1.2001 auf 35 Std. reduziert).
  • Finnland: Angabe bezieht sich auf den gesamten Dienstleistungssektor.
  • Frankreich: Angabe bezieht sich auf Tarifverhandlungen im Lebensmittelgroß- und ?einzelhandel (Dezember 1998) ? keine Tarifvereinbarung für gesamten Sektor.
  • Deutschland: Die aus dem WSI-Tarifarchiv stammenden Angaben beziehen sich auf Westdeutschland (Wert für Ostdeutschland beträgt 38-39 Std.).
  • Luxemburg: Eine zentrale Tarifvereinbarung bei Cactus SA sieht eine 39-Stundenwoche vor.
  • Portugal: Angabe bezieht sich auf die Tarifvereinbarung für den Raum Lissabon.
  • Spanien: Schätzung (bei Annahme einer Sechstagewoche und 274 Arbeitstagen pro Jahr), basiert auf vorläufigen MTAS-Angaben zu den Jahresarbeitsstunden.
  • Großbritannien: diese IDS-Angaben (s. Anmerkung zu Abb. 1 oben) beziehen sich auf den Einzelhandel und Vertrieb.

Öffentlicher Dienst

Abbildung 4 unten zeigt die für den öffentlichen Dienst tariflich vereinbarten Wochenarbeitsstunden für das Jahr 2000. Wie die Zahlen erkennen lassen, hat sich die Situation in diesem Sektor zwischen 1999 und 2000 praktisch nicht verändert (der öffentliche Dienst in Frankreich verhandelt immer noch über die 35-Stundenwoche). In Luxemburg und Österreich findet sich die längste Wochenarbeitszeit (40 Stunden), in Portugal die kürzeste (35 Stunden). Wie auch im Chemiesektor und im Einzelhandel ist die Spannweite von fünf Stunden identisch mit derjenigen für den Gesamtdurchschnitt der Wochenarbeitszeit. Die Abbildung zeigt einige deutliche Abweichungen von den nationalen Gesamtdurchschnittswerten: Die Arbeitszeit im öffentlichen Dienst in Belgien, Griechenland, Finnland, Italien, den Niederlanden und (insbesondere) Portugal liegt deutlich unter dem nationalen Durchschnitt, wogegen sie in Deutschland und Österreich deutlich darüber liegt (wie auch in Frankreich mit der anhängigen Entscheidung über die 35-Stundenwoche). Insgesamt liegt die tariflich vereinbarte durchschnittliche Wochenarbeitszeit im öffentlichen Dienst mit 37,7 Stunden unter dem Gesamtdurchschnitt von 38,1 Stunden.

Quelle: EIRO, * Angabe von 1999

Anmerkungen zu den Angaben in Abbildung 4:

  • Deutschland: Die Angabe aus dem Tarifarchiv des WSI bezieht sich auf Westdeutschland. In Ostdeutschland betrug die Wochenarbeitszeit im öffentlichen Dienst im Jahr 2000 40 Stunden. Die Angabe bezieht sich auf den Tarifvertrag für nicht verbeamtete Mitarbeiter im öffentlichen Dienst. Die Arbeitszeit und andere Arbeitsbedingungen für Beamte werden gesetzlich festgelegt, in der Regel jedoch in Anlehnung an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (obwohl für einige Beamte eine Wochenarbeitszeit von 40 Stunden gilt).
  • Frankreich: Derzeit finden Verhandlungen zur Einführung der 35-Stundenwoche in den verschiedenen Bereichen des öffentlichen Dienstes statt.
  • Großbritannien: Quelle: Incomes Data Services (IDS) und Labour Research Department (LRD); für die meisten Einrichtungen des öffentlichen Dienstes gilt die 37-Stundenwoche, für einige Einrichtungen in London ist jedoch eine 36-Stundenwoche vereinbart.
  • Portugal: Die Arbeitszeit wird durch eine staatliche Verordnung festgelegt, der Anhörungen der betroffenen Parteien vorausgehen.
  • Schweden: Die Angabe bezieht sich auf den staatlichen Sektor.
  • Spanien: Schätzwert (bei Annahme von sechs Arbeitstagen pro Woche und 274 Arbeitstagen pro Jahr) auf der Grundlage von vorläufigen MTAS-Zahlen für die jährliche Arbeitszeit. Die Angabe bezieht sich auf den gesamten öffentlichen Verwaltungssektor.

Effektive Wochenarbeitszeit

Einige der Probleme, die sich aus Daten zur tariflich vereinbarten regulären Wochenarbeitszeit ergeben, lassen sich durch Statistiken über die effektive Wochenarbeitszeit vermeiden, die üblicherweise bei Arbeitsmarkterhebungen erfasst wird. Solche Zahlen ergeben ein korrekteres Bild der tatsächlich pro Woche gearbeiteten Anzahl von Stunden, da sie Faktoren wie Überstunden und Fehlzeiten berücksichtigen.

Die nationalen Daten zur durchschnittlichen effektiven Wochenarbeitszeit sind für Vergleichszwecke oft nicht geeignet, da sie auf unterschiedlichen Definitionen beruhen. Insbesondere fällt auf, dass viele nationale Erhebungen nicht zwischen Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten unterscheiden. Tabelle 4 zeigt die durchschnittliche effektive Wochenarbeitszeit für Vollzeitbeschäftigte in den zwölf Ländern, für die Zahlen vorliegen. Für die meisten Länder sind derzeit noch keine Zahlen für das Jahr 2000 verfügbar.

Die höchste effektive Arbeitszeit findet sich in Griechenland und Finnland, die niedrigste in Belgien, Dänemark und den Niederlanden. Die effektive Arbeitszeit liegt in den meisten Ländern über der tariflich vereinbarten Wochenarbeitszeit, so zum Beispiel in Dänemark, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Luxemburg, den Niederlanden und Norwegen, wogegen in den verbleibenden Ländern die effektive Arbeitszeit unter der tariflichen Vereinbarung liegt (mit der höchsten Differenz von 1,3 Stunden in Spanien im Jahr 2000). Die durchschnittliche effektive Wochenarbeitszeit lag in den zwölf Ländern bei 39,4 Stunden im Jahr 1999, im Vergleich zur durchschnittlichen tariflich vereinbarten Wochenarbeitszeit von 38,6 Stunden in den elf Ländern. Die durchschnittliche effektive Wochenarbeitszeit liegt in fünf der elf Länder, für die Daten vorliegen, im Bereich von einer Stunde unter der tariflich vereinbarten regulären Arbeitszeit. Jedoch übersteigt auch die effektive Arbeitszeit in fünf Ländern die tariflich festgelegte um zwei Stunden und mehr, nämlich in Griechenland, Großbritannien, Finnland, Norwegen und insbesondere in Frankreich. In der Mehrheit handelt es sich bei den Ländern, in denen die effektive Arbeitszeit die tariflich vereinbarte übersteigt, um Länder, in denen die tariflich vereinbarte Wochenarbeitszeit relativ niedrig ist. Jedoch trifft dieser Umstand auch auf zwei Länder mit einer relativ hohen Wochenarbeitszeit zu, nämlich Griechenland und Luxemburg.

Tabelle 4: Durchschnittliche effektive Wochenarbeitsstunden für Vollzeitbeschäftigte in den Jahren 1999 und 2000
Land 1999 2000
Belgien 38,0 ?
Dänemark 38,0 ?
Finnland 41,0 ?
Frankreich 39,6 38,9
Griechenland 42,2 42,3
Großbritannien 40,0 39,8
Luxemburg 39,7 ?
Niederlande 38,0 ?
Norwegen 40,1 39,9
Österreich 40,2 ?
Schweden 37,9 ?
Spanien 38,4 37,3

Quelle: EIRO

Anmerkungen zu den Angaben in Tabelle 4:

  • Belgien: Angabe aus der Arbeitsmarkterhebung des belgischen Statistikamtes (Institut National de Statistique/Nationaal Instituut voor de Statistiek, INS/NIS).
  • Dänemark: Angabe aus der Arbeitsmarkterhebung von Eurostat für das Jahr 1999.
  • Finnland: Angabe aus der Arbeitsmarkterhebung des finnischen Statistikamtes.
  • Frankreich: Angaben aus der Arbeitsmarkterhebung des nationalen Instituts für Statistik und wirtschaftliche Studien (Institut national de la statistique et des études économiques, INSEE).
  • Griechenland: Angaben aus der ESYE-Arbeitsmarkterhebung für das Jahr 1999 sowie einer Schätzung des Instituts für Arbeit (INE/GSEE-ADEDY) für das Jahr 2000.
  • Großbritannien: laut Angaben des so genannten New Earnings Survey des Office for National Statistics (ONS).
  • Luxemburg: Angabe aus der Arbeitsmarkterhebung von Eurostat für das Jahr 1999.
  • Niederlande: Schätzwert (bei Annahme von 30 Tagen Jahresurlaub) auf der Grundlage einer jährlichen Arbeitszeit für Vollzeitbeschäftigte von 1 709 Stunden.
  • Norwegen: nicht offizielle Angaben von FAFO auf Grundlage von Arbeitsmarkterhebungen des norwegischen Statistikamtes.
  • Österreich: Angabe des österreichischen Statistikamtes.
  • Spanien: Angaben aus einer Arbeitsmarkterhebung des nationalen Instituts für Statistik (Instituto Nacional de Estadística, INE).

Für dieselben zwölf Länder sind darüber hinaus auch Angaben zur durchschnittlichen effektiven Wochenarbeitszeit für Teilzeitbeschäftigte verfügbar (siehe Tabelle 5 unten). Auch hier liegen viele Angaben für das Jahr 2000 noch nicht vor. Bei einem Vergleich muss bedacht werden, dass die Definition von Teilzeitbeschäftigung von Land zu Land variiert. Die längste Wochenarbeitszeit für Teilzeitbeschäftigte findet sich in Frankreich und Österreich, die kürzeste in Großbritannien und Spanien. Der Durchschnitt der effektiven Wochenarbeitszeit für Teilzeitbeschäftigte in den elf Ländern liegt bei 19,5 Stunden. Im Durchschnitt beträgt die effektive Wochenarbeitszeit von Teilzeitbeschäftigten etwa die Hälfte der effektiven Wochenarbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten. In Belgien und Frankreich beträgt die Arbeitszeit von Teilzeitbeschäftigten jedoch fast 60 % einer Vollzeitbeschäftigung, in Griechenland und Großbritannien dagegen etwa 40 % oder weniger.

Tabelle 5. Durchschnittliche effektive Wochenarbeitsstunden für Teilzeitbeschäftigte in den Jahren 1999 und 2000
Land 1999 2000
Belgien 22,0 ?
Dänemark 20,1 ?
Finnland 20,4 ?
Frankreich 22,9 23,1
Griechenland 17,3 17,3
Großbritannien 15,4 15,4
Luxemburg 20,0 20,0
Niederlande 18,1 ?
Norwegen 19,8 19,7
Österreich 21,5 ?
Schweden 19,8 ?
Spanien 17,1 16,8

Quelle: EIRO

Anmerkungen zu den Zahlen in Tabelle 5:

  • Belgien: Angabe aus einer Arbeitsmarkterhebung von INS/NIS.
  • Dänemark: Angabe aus der Arbeitsmarkterhebung von Eurostat für das Jahr 1999.
  • Finnland: Angabe aus einer Arbeitsmarkterhebung des finnischen Statistikamtes.
  • Frankreich: Angaben aus einer Arbeitsmarkterhebung von INSEE.
  • Griechenland: Angaben aus der ESYE-Arbeitsmarkterhebung für das Jahr 1999 sowie einer Schätzung von INE/GSEE-ADEDY für das Jahr 2000.
  • Großbritannien: Angaben aus einer Arbeitsmarkterhebung von ONS (Office for National Statistics).
  • Luxemburg: Schätzwert auf der Grundlage der gängigen Praxis.
  • Niederlande: Schätzwert (bei Annahme von 30 Tagen Jahresurlaub) auf der Grundlage einer jährlichen Arbeitszeit für Teilzeitbeschäftigte von 832 Stunden.
  • Norwegen: nicht offizielle Angaben von FAFO auf Grundlage einer Arbeitsmarkterhebung des norwegischen Statistikamtes.
  • Österreich: Angabe des österreichischen Statistikamtes.
  • Spanien: Angaben aus einer Arbeitsmarkterhebung von INE (Insituto Nacional de Estadística).

In den Arbeitskräftestatistiken in Deutschland, Irland, Italien und Portugal wird nicht zwischen der durchschnittlichen effektiven Wochenarbeitszeit von Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten unterschieden. Tabelle 6 nennt die durchschnittliche effektive Wochenarbeitszeit aller Beschäftigten in diesen Ländern. Von diesen vier Ländern hat Italien die längste effektive Wochenarbeitszeit und Deutschland die kürzeste.

Tabelle 6: . Durchschnittliche effektive Wochenarbeitsstunden für Arbeitnehmer allgemein in den Jahren 1999 und 2000
Land 1999 2000
Deutschland 36,2 ?
Irland 38,5 38,4
Italien 39,0 ?
Portugal* 38,7 ?

Quelle: EIRO, * Angabe von 1998

Anmerkungen zu den Angaben in Tabelle 6:

  • Deutschland: Angabe des Statistischen Bundesamtes Deutschland.
  • Irland: Angaben des Central Statistical Office (CSO).
  • Italien: Angabe des nationalen Instituts für Statistik (Istituto Nazionale di Statistica, Istat).
  • Portugal: Angaben von Quadros de Pessoal, dem Ministerium für Arbeit und Solidarität.

Jahresurlaub

Die jährliche Arbeitszeit wird stark von dem Anspruch der Arbeitnehmer auf bezahlten Jahresurlaub beeinflusst. Abbildung 5 zeigt den durchschnittlichen tariflich vereinbarten Jahresurlaub für zwölf Länder, aus denen Daten vorliegen (harmonisiert auf der Grundlage von fünf Arbeitstagen pro Woche). Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2000. Die einzige signifikante Änderung im Vergleich zum Jahr 1999 ist eine Anhebung des Jahresurlaubs in Dänemark im Zuge der Einführung eines Sonderurlaubs im privaten Sektor, der nach den Wünschen der Arbeitnehmer genommen werden kann.

Quelle: EIRO, * Angabe von 1999

Anmerkungen zu den Zahlen in Abbildung 5:

  • Dänemark: fünf Wochen Jahresurlaub plus fünf Tage Urlaub zur freien Verfügung der Arbeitnehmer (drei Tage im öffentlichen Sektor).
  • Deutschland: Angabe für Westdeutschland; in Ostdeutschland betrug der Jahresurlaub im Jahr 2000 28,3 Tage. Quelle: Tarifarchiv des WSI.
  • Finnland: 25 Tage nach zwei Jahren Dienstzeit, 20 Tage für Mitarbeiter mit kürzerer Dienstzeit.
  • Griechenland: Spannweitenmittel des Anspruchs, der abhängig von der Zugehörigkeit zwischen 20 und 25 Tagen variiert.
  • Großbritannien: Angaben von IDS (siehe Anmerkung zu Abbildung 1 oben).
  • Italien: vier Wochen Jahresurlaub zuzüglich eines Spannweitenmittels zwischen fünf und zehn Tagen, die als eine Form von Arbeitszeitverkürzung gewährt werden.
  • Luxemburg: Schätzwert
  • Niederlande: inklusive 6,1 Tage, die als eine Form von Arbeitszeitverkürzung gewährt werden.
  • Portugal: Einige Abkommen für Unternehmen und Sektoren sehen über den gesetzlichen Anspruch von 22 Tagen hinaus drei weitere Tage zum Beispiel aufgrund von Alters- und Feiertagsregelungen vor.
  • Schweden: Die Norm beträgt 25 Tage, wobei Tarifverträge oftmals zusätzlichen Urlaub vorsehen, zum Beispiel eine zusätzliche Woche für Arbeitnehmer über 40 Jahre.

Wie Abbildung 6 unten zeigt, ist in allen im Rahmen dieser Untersuchung behandelten Ländern ein gesetzlicher Mindestanspruch auf bezahlten Jahresurlaub vorgesehen (ausgedrückt in Tagen und harmonisiert auf der Basis von fünf Arbeitstagen pro Woche). Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2000. Die einzige Abweichung gegenüber 1999 ist eine Anhebung von 15 auf 20 Tage beim gesetzlichen Urlaubsanspruch in Großbritannien. Die Länder lassen sich in zwei Gruppen einteilen: solche mit einem Mindestanspruch von 20 Tagen (21 in Norwegen und 22 in Portugal), wie in der EU-Richtlinie zur Arbeitszeit vorgesehen, und solche mit einem Mindestanspruch von 25 Tagen (beziehungsweise 24 in Finnland). Der durchschnittliche tariflich vereinbarte Jahresurlaub übersteigt den gesetzlichen Mindestanspruch um fünf oder mehr Tage in den Ländern Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Italien und den Niederlanden, was darauf hinweist, dass die gesetzlichen Bestimmungen in diesen Ländern im Wesentlichen als Sicherheitsnetz dienen. Der durchschnittliche tariflich vereinbarte Jahresurlaub und der gesetzliche Mindestanspruch liegen eng beieinander oder sind gar identisch in den Ländern Finnland, Irland, Norwegen, Portugal und Schweden, was als Hinweis auf eine aktivere Rolle des Gesetzgebers zu werten ist. (Mark Carley, SPIRE Associates)

Quelle: EIRO, * Angabe von 1999

Anmerkungen zu den Zahlen in Abbildung 6:

  • Belgien: Anspruch ausgedrückt als vier Wochen.
  • Dänemark: Anspruch ausgedrückt als fünf Wochen.
  • Deutschland: Anspruch ausgedrückt als 24 Arbeitstage.
  • Finnland: Anspruch auf zwei Tage Urlaub pro gearbeitetem Kalendermonat (wobei 14 geleistete Arbeitstage als gearbeiteter Monat gelten).
  • Frankreich: Anspruch ausgedrückt als 30 Arbeitstage oder fünf Wochen.
  • Großbritannien: Angaben von IDS (siehe Anmerkung zu Abbildung 1 oben).
  • Italien Anspruch ausgedrückt als vier Wochen.
  • Österreich: Anspruch ausgedrückt als vier Wochen.
  • Portugal: Angabe bezieht sich auf Mitarbeiter über 35 Jahre; Mitarbeiter über 59 Jahre haben einen Mindestanspruch von 25 Tagen.
  • Schweden: Die Norm beträgt 25 Tage, wobei Tarifverträge oftmals zusätzlichen Urlaub vorsehen, zum Beispiel eine zusätzliche Woche für Arbeitnehmer über 40 Jahre.
  • Spanien: Anspruch ausgedrückt als 30 Arbeitstage.