EurWORK European Observatory of Working Life

Lohn- und Gehaltsentwicklungen - 2002

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Country: 
EU Level
Author: 
Mark Carley, SPIRE Associates

In dieser Übersicht über allgemeine Tendenzen im Bereich der Löhne und Gehälter in den Jahren 2001 und 2002 wird festgestellt, dass die Erhöhungen des nominalen, tarifvertraglich vereinbarten Durchschnittslohns in der EU und Norwegen von 3,8 % im Jahr 2001 auf 3,5 % im Jahr 2002 gesunken sind - allerdings mit beträchtlichen Unterschieden zwischen den einzelnen Ländern. Mit diesem Rückgang endete ein seit 1999 zu beobachtender Aufwärtstrend, was darauf schließen lässt, dass es in einigen Ländern zu einer neuerlichen beziehungsweise verstärkten Zurückhaltung hinsichtlich der Lohnforderungen gekommen ist. Unter Berücksichtigung der Inflation hat sich der Realzuwachs von 2001 auf 2002 geringfügig erhöht; wird nur die EU (ohne Norwegen) betrachtet, ist er jedoch leicht gesunken. Bei sektorbezogener Betrachtungsweise betrug die durchschnittliche Lohnerhöhung im Jahr 2001 sowohl im Einzelhandel als auch im Bereich der Chemie 3,6 %, gefolgt vom Kernbereich des öffentlichen Dienstes mit 3,2 %. Im Jahr 2002 blieb die durchschnittliche Lohnerhöhung im Einzelhandel und im öffentlichen Dienst stabil, sank jedoch im Bereich der Chemie auf 3,4 %. In den Bericht einbezogen werden auch Daten zu drei Beitrittsländern (Ungarn, Polen und Slowakei), in denen die Lohnerhöhungen gegenwärtig im Allgemeinen beträchtlich höher liegen als in der EU.

In der gesamten Europäischen Union war 2002 generell ein Jahr, in dem sich das Wirtschaftswachstum verlangsamte, die Arbeitslosigkeit zunahm und sich die Inflation verstärkte. Es ist nicht überraschend, dass in diesem Kontext die Entlohnung - und insbesondere Aufforderungen in Bezug auf maßvolle Lohnforderungen - ihre zentrale Bedeutung für die Arbeitsbeziehungen behielt und sogar noch ausbaute. Zudem standen im Jahr 2002 die Lohnentwicklungen stärker als je zuvor im Brennpunkt des Interesses, da in diesem Jahr die Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) der EU mit der Einführung von Euro-Banknoten und -Münzen in den zwölf Ländern des 'Euro-Gebiets' in eine neue Phase trat. Der Fortschritt der WWU bedeutet, dass sich die Aufmerksamkeit mehr und mehr auf die Entlohnung als Mittel für die Anpassung an wirtschaftliche Ungleichgewichte richten wird, da die Länder des Euro-Gebiets für derartige Anpassungen keine Wechselkurse und Zinssätze mehr verwenden können. Ferner sind innerhalb der WWU die Lohnentwicklungen ein Schlüsselfaktor dafür, ob sich die Wirtschaft der EU in Richtung einer Inflation oder einer Deflation entwickelt. Durch die Einführung des Euro sind Lohnvergleiche innerhalb Europas auch transparenter geworden.

Seit dem Beginn von Phase zwei der WWU im Jahr 1994 haben die Europäische Kommission und der Rat der Europäischen Union jährliche Grundzüge der Wirtschaftspolitik verabschiedet, die Empfehlungen dazu beinhalten, was als 'angemessene Lohnentwicklungen' innerhalb des Euro-Gebiets betrachtet wird. Die Empfehlung der Kommission für die Grundzüge der Wirtschaftspolitik der Mitgliedstaaten und der Gemeinschaft im Jahr 2002 besagt, dass in den letzten Jahren die anhaltende Zurückhaltung bei den Lohnforderungen eine beträchtliche Zunahme der Beschäftigung und einen Rückgang der Arbeitslosigkeit ermöglicht hat, ohne dass es zu einer Ankurbelung der Inflation kam. Unter diesem Aspekt lauten die Empfehlungen der Grundzüge der Wirtschaftspolitik für das Jahr 2002 wie folgt:

Die Lohnentwicklungen in den Mitgliedstaaten sollten die unterschiedlichen Wirtschafts- und Beschäftigungssituationen reflektieren. Die Regierungen sollten die richtigen Rahmenbedingungen für die Lohnverhandlungen der Sozialpartner fördern. Damit die Lohnentwicklungen zu einer beschäftigungsfreundlichen politischen Mischung beitragen, sollten die Sozialpartner weiterhin einen verantwortungsbewussten Kurs verfolgen und in den Mitgliedstaaten Tarifverträge abschließen, die mit den allgemeinen Prinzipien der Grundzüge der Wirtschaftspolitik im Einklang stehen. Dazu müssen folgende Forderungen erfüllt sein:

Der Nachdruck auf der Verknüpfung der Lohnentwicklung mit den Arbeitsmarktbedingungen in der abschließenden Empfehlung ist in den Grundzügen für das Jahr 2002 eher stärker als in vorhergehenden Jahren. Ansonsten blieben die Lohnempfehlungen unverändert. An anderer Stelle in den Grundzügen der Wirtschaftsentwicklung werden die Mitgliedstaaten aufgefordert, die Faktoren anzugehen, die zu geschlechtsspezifischen Lohnunterschieden führen.

Welche herausragende Bedeutung die EU-Institutionen und Regierungen im Jahr 2002 maßvollen Lohnentwicklungen beimaßen, wurde durch den Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Willem Duisenberg, im Juli 2002 in einer Rede zur Vorstellung des Jahresberichts der EZB verdeutlicht. Er erklärte Folgendes: 'Um die Preisstabilität zu wahren, sind maßvolle Lohnabschlüsse auch künftig von entscheidender Bedeutung. In dieser Hinsicht sind wir über die jüngsten Trends im Bereich der Löhne besorgt. Die Bedeutung von Lohnentwicklungen im Einklang mit unserer Definition von Preisstabilität kann nicht überbetont werden. Maßvolle Lohnabschlüsse sind ein Schlüsselfaktor für die Förderung der Expansion der Beschäftigung und für die Schaffung der Voraussetzungen für eine nachhaltige Erhöhung des potenziellen Wirtschaftswachstums im Euro-Gebiet.'

Diese Bedenken im Zusammenhang mit einem möglichen Ende des Zeitraums einer allgemeinen Lohnzurückhaltung in der EU spiegelten Anzeichen dafür wider, dass sich die allgemeine nominale Lohnerhöhung zwischen 1999 und 2001 in vielen Ländern kontinuierlich - wenn auch im Allgemeinen langsam - (TN0202102U) erhöhte, was darauf schließen lässt, dass die Lohnzurückhaltung in einigen Ländern nachhaltig unter Druck geriet (dies war insbesondere im Euro-Gebiet im Jahr 2001 der Fall). In vielen EU-Mitgliedstaaten wurde im Jahr 2002, hauptsächlich durch Regierungen und Arbeitgeber, zu neuerlicher oder anhaltender Lohnzurückhaltung aufgerufen, und dieser Punkt stand in einigen Ländern (beispielsweise Belgien, Finnland, Deutschland, Niederlande und Spanien) ganz oder sehr weit oben auf der Tagesordnung im Bereich der Arbeitsbeziehungen.

In diesem Kontext besteht das Ziel dieses Jahresberichts (bzw. dieser Fortschreibung) der Europäischen Beobachtungsstelle für Arbeitsbeziehungen (EIRO), der auf Beiträgen ihrer nationalen Zentren basiert, darin, allgemeine Tendenzen hinsichtlich der Lohnerhöhungen in den Jahren 2001 und 2002 innerhalb der EU-Mitgliedstaaten (und Norwegens) aufzuzeigen. Erstmalig wurden einige Daten für drei der Beitrittsländer einbezogen, die der EU im Jahr 2004 beitreten werden - nämlich Ungarn, Polen und Slowakei.

Da die EIRO kein statistischer Dienst und der Lohn ein Bereich ist, in dem sinnvolle internationale Vergleiche besonders schwierig sind, versuchen wir nicht, rein wissenschaftliche und direkte Lohnvergleiche anzustellen. Unterschiedliche einzelstaatliche Systeme für Lohnfestlegung, Arbeitsbeziehungen, Besteuerung und soziale Sicherheit sowie die verschiedenen Vorgehensweisen bei der Erstellung lohnbezogener Statistiken bedeuten, dass Vergleiche zwischen Ländern schwer zu ziehen sind. Angesichts der enormen Bedeutung der Entlohnung zeigen wir jedoch in allgemeiner Weise die jüngsten Entwicklungen auf, aber weisen zugleich auf die Probleme, Vorbehalte und Einschränkungen hin. Dabei sind die angegebenen Zahlen mit außerordentlicher Vorsicht zu behandeln und die verschiedenen Anmerkungen und Erläuterungen eingehend zu lesen.

Durchschnittliche tarifvertraglich vereinbarte Lohnerhöhungen

Tarifverhandlungen spielen in allen hier betrachteten Ländern eine Schlüsselrolle bei der Lohnfestlegung. Die Art dieser Rolle unterscheidet sich von Land zu Land jedoch stark, wobei verschiedene Verhandlungsebenen (sektorübergreifende Ebene, Sektorebene, Unternehmensebene) unterschiedliche Bedeutung haben und der Geltungsbereich der Tarifabschlüsse beträchtlich differiert. Zudem unterscheidet sich die Bedeutung von Tarifverhandlungen beträchtlich zwischen verschiedenen Industriezweigen und Arbeitnehmergruppen. Der Geltungsbereich allgemeiner Tarifabschlüsse reicht von mehr als 90 % in Österreich, Belgien, Frankreich und Schweden bis zu weniger als 40 % in Ungarn, Polen und dem UK. In der großen Mehrzahl der hier untersuchten Länder fallen jedoch 70 % der Arbeitnehmer oder mehr in den Geltungsbereich von Tarifabschlüssen (TN0212102S).

Abbildung 1 enthält Angaben zu den durchschnittlichen, tarifvertraglich vereinbarten, nominalen Grundlohnerhöhungen (oder einen weitgehend äquivalenten Indikator, wenn diese nicht verfügbar sind). Sofern möglich, beziehen sich die Angaben auf die gesamte Wirtschaft, obwohl es hier Ausnahmen gibt (siehe die Anmerkungen unter der Abbildung). In einigen Fällen sind noch nicht für das gesamte Jahr 2002 Daten verfügbar. Unterschiede bei den Zahlen für 2001 gegenüber den Zahlen in der EIRO-Lohnfortschreibung für 2001 (TN0202102U) lassen sich hauptsächlich dadurch erklären, dass vorläufige oder gegenwärtig vorliegende Zahlen durch zuverlässigere Zahlen ersetzt wurden, sowie dadurch, dass in einigen Fällen geeignetere Quellen gefunden und demzufolge Änderungen an den verwendeten Daten vorgenommen wurden - wie im Falle von Frankreich. (In dieser und den folgenden Abbildungen sind die Daten nach der Lohnerhöhung [der stärksten oder der geringsten] für das Jahr 2002 sortiert. Liegt keine Zahl für das Jahr 2002 vor, erfolgt die Einstufung des Landes anhand seiner Zahl für das Jahr 2001 im Vergleich mit den Zahlen für das Jahr 2002 in den anderen Ländern.)

Die großen Unterschiede zwischen den einzelstaatlichen Lohnfestlegungs- und Arbeitsbeziehungssystemen werden durch die unterschiedlichen Arten illustriert, auf die die in Abbildung 1 genannten Zahlen gewonnen werden. Freie Tarifverhandlungen, vorwiegend (obwohl nicht in allen Fällen vollständig) auf Sektorebene, spielen die wichtigste Rolle in Österreich, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Portugal, Spanien und Schweden. Landesweite, sektorübergreifende Verträge dienen in Belgien, Finnland, Griechenland und Irland (sowie in Spanien im Jahr 2002) zur Festschreibung der relevanten Lohnerhöhungen oder zur Festlegung von Leitlinien für Verhandlungen auf untergeordneten Ebenen. Im UK sind, ebenso wie in Ungarn, Verhandlungen auf Unternehmensebene (oder Verhandlungen auf untergeordneten Ebenen innerhalb des Unternehmens) vorherrschend. Die automatische Lohnindexierung machte einen beträchtlichen Anteil der Lohnerhöhungen in Belgien und Luxemburg aus. Auch die Rolle der in der Abbildung genannten Lohnerhöhungen differiert: In Ländern wie Österreich, Dänemark und Italien handelt es sich bei den genannten Lohnerhöhungenn um sektorbezogene Mindestbeträge, die dann auf untergeordneten Ebenen weiteren Verhandlungen unterliegen (oder im Falle von Österreich der Anwendung von auf Sektorebene vereinbarten tatsächlichen Lohnerhöhungenn); in Ländern wie dem UK stellen die Zahlen dagegen eher tatsächliche Lohnerhöhungen dar.

Bleiben diese und andere Vorbehalte unberücksichtigt, geht aus Abbildung 1 Folgendes hervor. Zuerst werden die 15 EU-Mitgliedstaaten und Norwegen betrachtet (für Frankreich sind noch keine Daten für 2002 verfügbar).

  • Im Jahr 2001 lagen die nominalen Lohnerhöhungen zwischen 7,5 % in Irland (durch eine landesweite Vereinbarung festgelegter Grenzwert) und 2,1 % in Deutschland. Lohnerhöhungen von 4 % und mehr waren in fünf Ländern zu verzeichnen, Lohnerhöhungen von 3 bis 4 % in sieben Ländern und Lohnerhöhungen von 2 bis 3 % in vier Ländern. Die durchschnittliche Lohnerhöhung betrug 3,8 %.
  • Im Jahr 2002 lagen die nominalen Lohnerhöhungen zwischen 5,5 % in Norwegen (obwohl sich diese Zahl auf die gesamten Lohnerhöhungen bezieht und mehr als die allgemeinen, tarifvertraglich vereinbarten Lohnerhöhungen umfasst) und 2,1 % in Österreich (obwohl sich diese Zahl nur auf die sektorbezogenen Mindestwerte bezieht, nicht auf tatsächliche Lohnerhöhungen). Lohnerhöhungen von 4 % und mehr waren in vier Ländern zu verzeichnen, Lohnerhöhungen von 3 bis 4 % in sechs Ländern und Lohnerhöhungen von 2 bis 3 % in fünf Ländern. Die durchschnittliche Lohnerhöhung betrug 3,5 %.
  • Die durchschnittliche Lohnerhöhung sank somit zwischen 2001 und 2001 um 0,3 Prozentpunkte. Dadurch kehrte sich eine seit 1999 zu beobachtende Tendenz um; damals betrug die durchschnittliche Lohnerhöhung 2,9 % (gesunken von 3,1 % im Jahr 1998), stieg dann auf 3,2% im Jahr 2000 und auf 3,8 % im Jahr 2001. Es könnte somit davon ausgegangen werden, dass die Ergebnisse der Lohntarifverhandlungen im Jahr 2002 eine Tendenz zu maßvolleren Lohnabschlüssen darstellen, obwohl die durchschnittliche Lohnerhöhung von 3,5 % noch immer die zweithöchste seit 1998 ist.
  • Noch immer scheint zwischen den nominalen Lohnsteigerungsraten in den verschiedenen betrachteten Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) relativ wenig Konvergenz zu bestehen, wobei auch im Jahr 2002 weiterhin große Unterschiede zwischen ihnen bestanden - obwohl die Spanne zwischen den stärksten und den geringsten Lohnerhöhungen wesentlich kleiner war als im Jahr 2001. Wird aus den jährlichen Lohnerhöhungen ein Mittelwert für den Fünfjahreszeitraum 1998-2002 gebildet, können die 16 Länder wie folgt eingeteilt werden: Länder mit 'geringem' nominalem Lohnzuwachs - diejenigen Länder mit Lohnerhöhungen von durchschnittlich 2 bis 3 % (Österreich, Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland und Italien); Länder mit 'mittlerem' nominalem Lohnzuwachs - diejenigen Länder mit Lohnerhöhungen von durchschnittlich 3 bis 4 % (Belgien, die Niederlande, Portugal, Spanien, Schweden und das UK); und Länder mit 'hohem' nominalem Lohnzuwachs - diejenigen Länder mit Lohnerhöhungen von durchschnittlich mehr als 4 % (Griechenland, Irland, Luxemburg und Norwegen).
  • Es gibt auch divergierende Tendenzen hinsichtlich der Lohnerhöhungen in den verschiedenen Ländern. Während die durchschnittliche Lohnerhöhung zwischen 2001 und 2002 in acht Ländern sank (wobei die Zurückhaltung in Irland, Portugal, Finnland, den Niederlanden und dem UK am stärksten ausgeprägt war) und damit dem allgemeinen Abwärtstrend folgte, erhöhte sich die Steigerungsrate in fünf Ländern (insbesondere Griechenland und Deutschland) und blieb in zwei Ländern stabil. Bei Betrachtung des im Jahr 1998 beginnenden Fünfjahreszeitraums spiegelte sich die durchschnittliche allgemeine Tendenz - sinkende Zuwachraten zwischen 1998 und 1999, dann ansteigende Steigerungsraten in den Jahren 2000 und 2001 und schließlich ein Rückgang im Jahr 2002 - in unterschiedlichem Maße in Österreich, Belgien, Finnland, Irland, Luxemburg, den Niederlanden und dem UK wider. Nur in Spanien war ein kontinuierlicher Anstieg zu verzeichnen, während Schweden das einzige Land ist, in dem die Steigerungsraten praktisch stabil blieben. In Deutschland war im überwiegenden Teil des Zeitraums eine gegenläufige Tendenz zu verzeichnen. Ansonsten wiesen nur wenige Länder eine klare Tendenz hinsichtlich der nominalen Lohnerhöhungen auf, während es bei den meisten von Jahr zu Jahr zu Ausschlägen nach oben und nach unten kam. Bezogen auf die Stärke der Schwankungen bei den jährlichen Lohnerhöhungen im Zeitraum 1998-2002 scheinen die Länder mit der größten Stabilität Schweden, Österreich, Italien, Luxemburg und das UK zu sein (in allen Fällen liegt die Schwankung zwischen den höchsten und den geringsten jährlichen Steigerungsraten bei weniger als einem Prozentpunkt), während die Länder mit der geringsten Stabilität Irland, Griechenland und die Niederlande sind.

Werden nur die 12 Länder des Euro-Gebiets betrachtet, ergibt sich folgendes Bild.

  • Im Jahr 2001 lagen die nominalen Lohnerhöhungen zwischen 7,5 % in Irland und 2,1 % in Deutschland. Lohnerhöhungen von 4 % und mehr waren in vier Ländern zu verzeichnen, Lohnerhöhungen von 3 bis 4 % in fünf Ländern und Lohnerhöhungen von 2 bis 3 % in drei Ländern. Die durchschnittliche Lohnerhöhung lag bei 3,9 %.
  • Im Jahr 2002 lagen die nominalen Lohnerhöhungen zwischen 5,4 % in Griechenland (durch eine landesweite Vereinbarung festgelegte Erhöhung der Mindestsätze) und 2,1 % in Österreich. In drei Ländern waren Lohnerhöhungen von 4 % und mehr zu verzeichnen, während Lohnerhöhungen von 3 bis 4 % in vier Ländern und Lohnerhöhungen von 2 bis 3 % in vier Ländern zu verzeichnen waren. Die durchschnittliche Lohnerhöhung lag bei 3,5 %.
  • Diese Zahlen zeigen, dass die durchschnittlichen nominalen Lohnerhöungen in den Euro-Ländern im Jahr 2001 etwas höher (um 0,1 Prozentpunkt) lagen als in EU/EWR, während die Steigerungsrate in den beiden Ländergruppen im Jahr 2002 dieselbe war. Es gab keinen allgemeinen Unterschied zwischen den beiden Ländergruppen im Hinblick auf den allgemeinen durchschnittlichen Abwärtstrend zwischen 2001 und 2002, obwohl vier der fünf Länder mit gegenläufiger Tendenz dem Euro-Gebiet angehören.

Erstmalig beziehen wir in diesem Jahr drei EU-Beitrittsländer in unsere Analyse ein, und zwar mit Daten für Ungarn (nur 2002), Polen und Slowakei. Abgesehen von Polen im Jahr 2002 lagen in allen Fällen die nominalen Lohnerhöhungen beträchtlich über dem EU/EWR-Durchschnitt, wobei der Durchschnitt in den Beitrittsländern in beiden Jahren mehr als 6 % betrug. Durch die Einbeziehung der drei Länder in die allgemeinen Durchschnittswerte würden sich diese Werte um etwa 0,3 - 0,4 Prozentpunkte erhöhen, was darauf schließen lässt, dass sich die durchschnittlichen nominalen Lohnerhöhungen in der EU mit dem Beitritt der neuen Mitgliedstaaten im Jahr 2004 leicht erhöhen werden. In Polen kam es zwischen 2001 und 2002 zu einem starken Einbruch bei den Lohnerhöhungen, während in der Slowakei ein leichter Rückgang zu verzeichnen war. Die Lohnerhöhung um 10 % in Ungarn im Jahr 2002 war die höchste in den untersuchten Ländern.

Abbildung 1. Durchschnittliche tarifvertraglich vereinbarte Lohnerhöhungen, 2001 und 2002 (%)

Abbildung 1. Durchschnittliche tarifvertraglich vereinbarte Lohnerhöhungen, 2001 und 2002 (%)

* Durchschnitt für 18 Länder; ** Durchschnitt für 16 Länder für 2001 und Durchschnitt für 15 Länder für 2002; *** Durchschnitt für 12 Länder für 2001 und Durchschnitt für 11 Länder für 2002

Quelle: EIRO.

Die Statistik in Abbildung 1 sollte in Verbindung mit den folgenden Anmerkungen gelesen werden.

  • Österreich: Die Zahl für 2001 basiert auf dem Index der vereinbarten Mindestlöhne von Statistik Austria; die Zahl für 2002 ist ein auf den Bestimmungen der wichtigsten Tarifverträge basierender EIRO-Schätzwert.
  • Belgien: Die Zahlen beziehen sich nur auf Arbeiter (die entsprechenden Zahlen für Angestellte lagen bei 3,2 % im Jahr 2001 und bei 2,9 % im Jahr 2002); die Zahlen entsprechen der Summe der tarifvertraglich vereinbarten Lohnerhöhungen (1,3 % im Jahr 2001 und 1,5 % im Jahr 2002), zuzüglich der automatischen Lohnindexierung und der Auswirkungen von Arbeitszeitverkürzungen; die Zahlen, die vom Arbeits- und Beschäftigungsministerium stammen, gelten bis September der jeweiligen Jahre.
  • Dänemark: Es sind keine allgemeinen Zahlen verfügbar; die verwendeten Zahlen beziehen sich auf den Schlüsselvertrag für den Sektor Industrie, bei dem das 'Mindestlohn' system Anwendung findet, in dem sektorbezogene Verträge nur Mindestsätze festlegen und es durch nachfolgende lokale Verhandlungen zu weiteren Lohnerhöhungen kommt; die Zahl für 2001 stellt die Lohnerhöhung ab März 2001 dar, die Zahl für 2002 die Lohnerhöung ab März 2002.
  • Finnland: Zahl für 2001 von Statistics Finland; die Zahl für 2002 bezieht sich auf die Erhöhung der Arbeitskosten im Rahmen der Vereinbarung von 2001-2 zur zentralen Einkommenspolitik.
  • Frankreich: Die Zahl, die vom Amt für Forschung und Statistik des Beschäftigungsministeriums (Direction de l'animation de la recherche, des études et des statistiques du ministère de l'Emploi, DARES) stammt, bezieht sich auf die jährliche Erhöhung der tarifvertraglich vereinbarten Mindestlohntarife.
  • Deutschland: Die Zahlen, die aus dem Tarifvertragsarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) stammen, stellen die jährliche durchschnittliche Tariflohnerhöhung dar.
  • Griechenland: Die Zahlen beziehen sich auf die Erhöhungen der Mindestsätze gemäß den landesweiten allgemeinen Tarifverträgen für die Jahre 2000-1 und 2002-3.
  • Ungarn: Die Zahl ist der gewichtete Mittelwert der Lohnerhöhungen in Unternehmenstarifverträgen - EIRO-Berechnung basierend auf der Datenbank des Beschäftigungs- und Arbeitsministeriums.
  • Irland: Die Zahl für 2001 entspricht der Zahlung in Höhe von 5,5 % für den privaten und den öffentlichen Sektor im Rahmen der zweiten Phase des landesweiten Tarifvertrags des Programms für Wohlstand und Gerechtigkeit (Programme for Prosperity and Fairness- PPF) für den Zeitraum April 2001 bis März 2002 sowie einer zusätzlichen Zahlung in Höhe von 2 %, die ab April 2001, im Anschluss an eine Überprüfung des PPF, gewährt wurde, um den Arbeitnehmern einen Ausgleich für die starke Inflation zu gewähren; die Zahl für 2002 stellt die Zahlung der dritten (letzten) Phase im Rahmen des PPF für den privaten und den öffentlichen Sektor in Höhe von 4 % dar, zuzüglich eines Pauschalbetrags in Höhe von 1 % im Rahmen des überprüften PPF als Inflationsausgleich für die Arbeitnehmer - die dritte Phase galt bis 31. Dezember 2002 im privaten Sektor und bis 30. Juni 2003 im öffentlichen Sektor.
  • Italien: Zahlen aus dem monatlichen Lohnindex des Nationalen Statistikinstituts (Istituto Nazionale di Statistica, Istat).
  • Luxemburg: keine offizielle Statistik verfügbar; die Zahlen stellen den Mittelwert der geschätzten Spanne der Lohnerhöhungen dar, zuzüglich einer jährlichen automatischen Lohnindexierung in Höhe von 2,5 %.
  • Niederlande: Zahlen vom Zentralen Statistikamt (Centraal Bureau voor de Statistiek, CBS).
  • Norwegen: Es gibt keine zuverlässigen Zahlen zu tarifvertraglich vereinbarten Grundlohnerhöhungen für alle Arbeitnehmer; die angegebenen Zahlen, vom Technischen Berechnungsausschuss für Einkommensberechnung (Teknisk Beregningsutvalg, TBU), stellen die gesamten jährlichen Lohnerhöhungen dar (einschließlich von Lohndrift- und 'Übertragungs' effekten aus vorangegangenen Jahren).
  • Polen: Die Zahlen, vom Zentralen Statistikamt (GUS), beziehen sich auf Durchschnittslohnerhöhungen in der polnischen Wirtschaft; die Zahl für 2002 gilt für das Jahr bis zum Ende des dritten Quartals.
  • Portugal: Die Zahlen stammen vom Amt für Arbeits-, Beschäftigungs- und Berufsausbildungsstatistik des Ministeriums für Arbeit und Solidarität (Departamento de Estatística do Trabalho, Emprego e Formação Profissional, DETEFP); die Zahl für 2002 bezieht sich auf das Jahr bis September.
  • Slowakei: Die Zahlen sind Schätzwerte von EIRO.
  • Spanien: Die Zahl für 2001, aus den Veröffentlichungen zur Arbeitsstatistik des Ministeriums für Arbeit und Soziales (MTAS), umfasst die Wirkung von inflationsgebundenen Lohnrevisionsklauseln (3,5 % ohne derartige Revisionen); die Zahl für 2002 ist ein Schätzwert, der auf der im sektorübergreifenden Tarifvertrag vorgesehenen Lohnerhöhung basiert; dieser Vertrag enthält Leitlinien für die Tarifverhandlungen im Jahr 2002 - d. h. 2 % (prognostizierte Inflation), zuzüglich von 1,9 %, was der Differenz zwischen der prognostizierten und der tatsächlichen Inflation entspricht.
  • Schweden: Für durchschnittliche, tarifvertraglich vereinbarte Lohnerhöhungen sind keine Zahlen verfügbar; die Zahlen stellen einen auf den in der Tarifrunde im Frühjahr 2001 geschlossenen Dreijahresverträgen basierenden Schätzwert dar, einschließlich von 0,5 % als geschätzte Auswirkung der Arbeitszeitverkürzung in jedem Jahr.
  • UK: Zahlen aus dem Tarifbericht 232 von November 2002 des Amtes für Arbeitsforschung (Labour Research Department- LRD); die Daten stellen die Mittelwerte der Verträge dar, ohne Gewichtung nach den erfassten Arbeitnehmern; die Zahlen für 2002 gelten für die 12 Monate bis Oktober 2002.

Reallohnerhöhungen

Abbildung 1 bezieht sich auf nominale Lohnerhöhungen. Um die Reallohnerhöhungen zu ermitteln, wird in Abbildung 2 eine Inflationsanpassung der Lohnerhöhungen vorgenommen, bei der die Jahresdurchschnittssätze der Inflation für die Zeiträume Dezember 2000 - Dezember 2001 beziehungsweise Dezember 2001 - Dezember 2002 gemäß der Berechnung anhand des harmonisierten Verbraucherpreisindex (Harmonised Index of Consumer Prices - HICP) von Eurostat abgezogen werden. Da derartige Inflationszahlen für die Beitrittsländer nicht verfügbar sind, bleiben sie bei diesem Teil der Analyse unberücksichtigt. Für die EU 15 insgesamt fiel die Inflation im Jahr 2001 nach mehreren Jahren zunehmender Inflation von einem Durchschnittswert von 2,4 % im Zeitraum Dezember 2000 - Dezember 2001 auf einen Durchschnittswert von 2,1 % im Zeitraum Dezember 2001 - Dezember 2002 (dieses Maß stellt einen sinnvollen Inflationsindikator für das gesamte Jahr dar, zeigt allerdings nicht den Inflationsanstieg, zu dem es Ende 2002 kam). Wie Abbildung 2 zeigt, fraß die Inflation - trotz des leichten Rückgangs - weiterhin einen Teil der nominalen Lohnerhöhungen in der EU und in Norwegen auf.

Abbildung 2. Durchschnittliche, tarifvertraglich vereinbarte Lohnerhöhungen, inflationsberichtigt, 2001 und 2002 (%)

Abbildung 2. Durchschnittliche, tarifvertraglich vereinbarte Lohnerhöhungen, inflationsberichtigt, 2001 und 2002 (%)

* Durchschnitt für 16 Länder für 2001 und Durchschnitt für 15 Länder für 2002; ** Durchschnitt für 12 Länder für 2001 und Durchschnitt für 11 Länder für 2002

Quelle: EIRO.

Abbildung 2 zeigt die folgenden Tendenzen auf.

  • Die betreffenden Arbeitnehmer erhielten im Jahr 2001 in 10 Ländern Reallohnerhöhungen, aber in sechs Ländern (Griechenland, Deutschland, Italien, Niederlande, Portugal und Spanien) wurden ihre nominalen Lohnerhöhungen durch die Inflation aufgefressen (obwohl die Zahlen für die Lohnerhöhung in einigen Fällen Mindestwerte darstellen, die späteren Tarifverhandlungen unterliegen). Im Jahr 2002 sank die Zahl der Länder, in denen die Inflation die nominale Lohnerhöhung überstieg, auf vier (Dänemark, Italien, Niederlande und Portugal). Nur in Italien, den Niederlanden und Portugal zahlten die Arbeitnehmer in beiden Jahren drauf.
  • Im Jahr 2001 lag die Spanne der Reallohnerhöhungen zwischen 3,5 % in Irland und -0,7 % in den Niederlanden - eine etwas geringere Spanne als bei den nominalen Lohnerhöhungen. Lohnerhöhungen von 2 % und mehr waren in fünf Ländern zu verzeichnen, Lohnerhöhungen von 1 bis 2 % in einem Land, Lohnerhöhungen von weniger als 1 % in vier Ländern, ein Nullzuwachs in einem Land und Rückgänge von bis zu -1 % in fünf Ländern. Es scheint somit zu einer Art Spaltung zwischen fünf Ländern mit relativ hohen (2 % und mehr) Reallohnerhöhungen und 10 Ländern mit Lohnerhöhungen in der Spanne zwischen 1 % und -1 % gekommen zu sein. Die durchschnittliche Lohnerhöhung lag bei 0,8 %.
  • Im Jahr 2002 lag die Spanne der Reallohnerhöhungen zwischen 4,7 % in Norwegen (obwohl erneut anzumerken ist, dass diese Zahl für die gesamten Lohnerhöhungen gilt und mehr umfasst als die allgemeinen, tarifvertraglich vereinbarten Lohnerhöhungen) und -0,6 % in Portugal - eine etwas größere Spanne als bei den nominalen Lohnerhöhungen (obwohl dies ausschließlich auf die starke Erhöhung zurückzuführen ist, die in Norwegen zu verzeichnen war). In einem Land waren Erhöhungen von mehr als 4 % zu verzeichnen, in zwei Ländern waren Erhöhungen von 2 bis 3 % zu verzeichnen, in vier Ländern waren Erhöhungen von 1 bis 2 % zu verzeichnen, in vier Ländern waren Erhöhungen von 0 bis 1 % zu verzeichnen und in einem Land kam es zu einem Nullzuwachs, während es in drei Ländern zu Rückgängen von bis zu -1 % kam. Die Konvergenz war somit eher größer als im Jahr 2001, wenn Norwegen unberücksichtigt bleibt. Die durchschnittliche Lohnerhöhung lag bei 1,0 % (aber nur bei 0,7 % ohne Norwegen).
  • Die durchschnittliche Lohnerhöhung stieg somit zwischen 2001 und 2002 um 0,2 Prozentpunkte, im Vergleich zu einem Rückgang um 0,3 Prozentpunkte bei den nominalen Löhnen. Wird jedoch nur die EU (ohne Norwegen) betrachtet, sank die Steigerung der Reallöhne um 0,1 Prozentpunkte. Dies folgte auf einen Anstieg um 0,3 Prozentpunkte zwischen 2000 und 2001, dem ein Rückgang um 0,9 Prozentpunkte zwischen 1999 und 2000 sowie eine unveränderte Steigerungsrate zwischen 1998 und 1999 vorausging. Der kurzzeitige Anstieg im Jahr 2001 kehrte sich somit in der EU um, obwohl es sich nur um einen sehr geringen Rückgang handelt, blieb jedoch erhalten, wenn auch Norwegen berücksichtigt wird. Der geringe durchschnittliche Rückgang der Reallohnerhöhungen in der EU im Jahr 2002 verschleiert die Tatsache, dass der Reallohnzuwachs in acht Ländern zunahm, aber nur in fünf Ländern abnahm. Während des Fünfjahreszeitraums 1998-2002 sind nur wenige Tendenzen bei den Reallohnerhöhungen in den betrachteten Ländern erkennbar. In Bezug auf die Größe der Differenzen zwischen den jährlichen Lohnerhöhungen im Zeitraum 1998-2002 - die tendenziell beträchtlich größer sind als bei den nominalen Lohnerhöhungen - scheinen die Länder mit der ausgeprägtesten Stabilität Dänemark, Frankreich und das UK zu sein (in allen Fällen beträgt die Differenz zwischen den größten und den geringsten jährlichen Lohnerhöhungen unter einem Prozentpunkt), während die Länder mit der geringsten Stabilität Deutschland, Irland und Norwegen sind.
  • Wird der Mittelwert der jährlichen Reallohnerhöhungen über den Vierjahreszeitraum 1999-2002 gebildet, können die 16 Länder wie folgt eingeteilt werden: Länder mit 'negativem' Reallohnzuwachs - jene Länder, bei denen der Mittelwert der Lohnerhöhungen unter Null lag (Italien); Länder mit 'geringem' Reallohnzuwachs - jene Länder, bei denen der Mittelwert der Lohnerhöhungen unter 1 % lag (Österreich, Dänemark, Finnland, Frankreich, Niederlande, Portugal und Spanien); Länder mit 'mittlerem' Reallohnzuwachs - jene Länder, bei denen der Mittelwert der Lohnerhöhungen zwischen 1 % und 2 % lag (Belgien, Deutschland, Griechenland, Irland, Luxemburg und Schweden); und Länder mit 'hohem' Reallohnzuwachs - jene Länder, bei denen der Mittelwert der Lohnerhöhungen bei 2 % oder mehr lag (Norwegen und das UK).

Betrachtet man nur die Länder des Euro-Gebiets, ist Folgendes festzustellen.

  • Im Jahr 2001 lagen die Reallohnerhöhungen zwischen 3,5 % in Griechenland und -0,7 % in den Niederlanden. Lohnerhöhungen von 2 % und mehr waren in drei Ländern zu verzeichnen, Lohnerhöhungen von 1 bis 2 % in einem Land, Lohnerhöhungen von weniger als 1 % in zwei Ländern, ein Nullzuwachs in einem Land und Rückgänge von bis zu -1 % in fünf Ländern. Die durchschnittliche Lohnerhöhung lag bei 0,7 % - etwas niedriger als der gesamte EU/EWR-Durchschnitt von 0,8 %.
  • Im Jahr 2002 lagen die Reallohnerhöhungen zwischen 2,2 % in Luxemburg und -0,6 % in Portugal. Lohnerhöhungen von 2 % und mehr waren in zwei Ländern zu verzeichnen, Lohnerhöhungen von 1 bis 2 % in zwei Ländern, Lohnerhöhungen von weniger als 1 % in vier Ländern. Rückgänge von bis zu -1 % waren in drei Ländern zu verzeichnen. Die durchschnittliche Lohnerhöhung lag bei 0,7 % - etwas niedriger als der gesamte EU/EWR-Durchschnitt von 1,0 %.
  • Diese Zahlen zeigen, dass in den Jahren 2001 und 2002 (wie im Zeitraum 1998-2000) die Reallohnerhöhungen in den Euro-Ländern geringer waren als in EU/EWR insgesamt. Die Reallohnerhöhungen im Euro-Gebiet blieben zwischen 2001 und 2002 stabil, während sie in EU/EWR insgesamt leicht stiegen. Sämtliche Länder, bei denen sowohl im Jahr 2001 als auch im Jahr 2002 ein Reallohnrückgang zu verzeichnen war, gehörten dem Euro-Gebiet an. Mit Ausnahme von einem Land gehören alle Länder mit'negativem' und 'geringem' Reallohnzuwachs im Zeitraum 1998-2002 dem Euro-Gebiet an, während die beiden Länder mit 'hohem' Reallohnzuwachs außerhalb des Euro-Gebiets liegen.

Nutzung der Verteilungsspanne

In den letzten Jahren interessieren sich einige Gewerkschaften zunehmend dafür, in welchem Maße die Ergebnisse von Tarifverhandlungen die 'Verteilungsspanne' der Gesamtsumme von Inflation und Produktivitätszuwachs nutzen. Beispielsweise kam die 'Doorn-Gruppe' der Gewerkschaften Belgiens, Deutschlands, Luxemburgs und der Niederlande (DE9810278F) überein, 'Tarifabschlüsse anzustreben, die der Gesamtsumme der Preisentwicklung und des Produktivitätszuwachses der Arbeit entsprechen', und sie bewertet jährlich, in welchem Maße diese gesamte 'Verteilungsspanne' genutzt wurde. Es wird als Erfolg die Gewerkschaften verbucht, wenn die Lohnerhöhungen der Summe des Inflationsanstiegs und des Produktivitätszuwachses entsprechen oder diese übersteigen.

Beim derartigen Vergleich der Lohnentwicklungen gibt es viele methodische und statistische Schwierigkeiten; zudem haben Tarifverhandlungen andere, nicht lohnbezogene Ergebnisse, die möglicherweise in Bezug auf ihre Kosteneffekte schwer zu berechnen sind. Dieses Maß bietet jedoch eine sinnvolle Angabe für die Beurteilung der Ergebnisse von Tarifverhandlungen, da es sowohl die Produktivität als auch die Inflation berücksichtigt, und bei anderen europäischen Koordinierungsbemühungen im Bereich der Tarifverhandlungen findet ein ähnlicher Ansatz Anwendung. Beispielsweise hat der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) eine Koordinierungsleitlinie verabschiedet, die eine Formel für Lohnforderungen umfasst, derzufolge die 'nominalen Lohnerhöhungen zumindest die Inflation übersteigen sollten, während der dem Bruttolohnanstieg zugewiesene Anteil der Produktivität maximiert wird, um für ein besseres Gleichgewicht zwischen Gewinnen und Löhnen zu sorgen' (EU0101291N). Ein Beispiel auf Sektorebene ist die 'europäische Koordinierungsregel' des Europäischen Metallarbeiterverbands (European Metalworkers' Federation - EMF), derzufolge 'der wichtigste Bezugspunkt und das wichtigste Kriterium für die Lohnpolitik der Gewerkschaften in allen Ländern der Ausgleich der Inflationsrate und die Gewährleistung einer weiterhin ausgewogenen Beteiligung der Arbeitnehmereinkünfte an Produktivitätszuwächsen sein muss' (EU0108241F).

Tabelle 1 bewertet die Ergebnisse von Tarifverhandlungen in den Jahren 2001 und 2002 unter dem Aspekt der Formel für die Verteilungsspanne. Mit dieser Tabelle ist angesichts des oftmals unterschiedlichen, partiellen und schwer zu vergleichenden Charakters der Statistiken extrem vorsichtig umzugehen; ferner sind die Anmerkungen eingehend zu lesen.

Tabelle 1. Tarifverhandlungsergebnisse in der EU und Norwegen, 2001 und 2002 (%)
Land Jahr Inflation (A)* Produktivität (B)** Verteilungs- spanne (A B = C) Lohnerhöhung (D)*** Nutzung der Spanne (D - C = E)
Österreich 2001 2,3 0,5 2,8 2,7 -0,1
. 2002 1,7 1,2 2,9 2,1 -0,8
. 2001/2 4,0 1,7 5,7 4,8 -0,9
Belgien 2001 2,4 0,7 3,1 3,8 0,7
. 2002 1,6 1,5 3,1 3,6 0,5
. 2001/2 4,0 2,2 6,2 7,4 1,2
Dänemark 2001 2,3 1,1 3,4 2,4 -1,0
. 2002 2,4 2,2 4,6 2,4 -2,2
. 2001/2 4,7 3,3 8,0 4,8 -3,2
Finnland 2001 2,7 3,9 6,6 3,3 -3,3
. 2002 2,0 k. A. - 2,3 -
. 2001/2 4,7 - - 5,6 -
Frankreich 2001 1,8 -1,1 0,7 3,9 3,2
. 2002 1,9 -0,1 1,8 - -
. 2001/2 3,7 -1,2 2,5 - -
Deutschland 2001 2,4 1,0 3,4 2,1 -1,3
. 2002 1,3 1,3 2,6 2,7 0,1
. 2001/2 3,7 2,3 6,0 4,8 -1,2
Griechenland 2001 3,7 4,4 8,1 3,5 -4,6
. 2002 3,9 3,5 7,4 5,4 -2,0
. 2001/2 7,6 7,9 15,5 8,9 -6,6
Irland 2001 4,0 2,4 6,4 7,5 1,1
. 2002 4,7 0,9 5,6 5,0 -0,6
. 2001/2 8,7 3,3 12,0 12,5 0,5
Italien 2001 2,7 0,3 3,0 2,4 -0,6
. 2002 2,6 -0,8 1,8 2,5 0,7
. 2001/2 5,3 -0,5 4,8 4,9 0,1
Luxemburg 2001 2,4 1,0 3,4 4,5 1,1
. 2002 2,1 0,5 2,6 4,3 1,7
. 2001/2 4,5 1,5 6,0 8,8 2,8
Niederlande 2001 5,1 -0,4 4,7 4,4 -0,3
. 2002 3,9 - - 3,8 -
. 2001/2 9,0 - - 8,2 -
Norwegen 2001 2,7 2,1 4,8 4,8 0,0
. 2002 0,8 2,5 3,3 5,5 2,2
. 2001/2 3,5 4,6 8,1 10,3 2,2
Portugal 2001 4,4 1,9 6,3 4,5 -1,8
. 2002 3,7 0,3 4,0 3,1 -0,9
. 2001/2 8,1 2,2 10,3 7,6 -2,7
Spanien 2001 3,7 0,3 4,0 3,7 -0,3
. 2002 3,6 0,6 4,2 3,9 -0,3
. 2001/2 7,3 0,9 8,2 7,6 -0,6
Schweden 2001 2,7 1,1 3,8 3,0 -0,8
. 2002 2,0 2,2 4,2 3,0 -1,2
. 2001/2 4,7 3,3 8,0 6.0 -2,0
UK 2001 1,2 1,6 2,8 3,5 0,7
. 2002 1,3 0,8 2,1 3,0 0,9
. 2001/2 2,5 2,4 4,9 6,5 1,6
Durchschnitt 2001 . . . . -0,5†
. 2002 . . . . -0,2††
. 2001/2 . . . . -0,7††

* Durchschnittssätze, Dezember 2000 - Dezember 2001 und Dezember 2001 - Dezember 2002.

** Anmerkungen zu Produktivitätszahlen: Österreich - Quelle: Österreichische Nationalbank, Zahl für 2002: Schätzwert; Belgien - Quelle: Belgische Landesbank, Zahl für stündliche Produktivität im privaten Sektor; Dänemark - Quelle: Statistics Denmark; Finnland - Quelle: Statistics Finland; Frankreich - Quelle: INSEE, Zahlen beziehen sich nur auf den privaten Sektor (Produktivität pro Kopf); Deutschland - Quelle: Statistisches Bundesamt (Arbeitsproduktivität pro Arbeitsstunde); Griechenland - Quelle: Nationales Stabilitäts- und Wachstumsprogramm; Irland - Quelle: Finanzministerium; Italien - Quelle: volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, Zahl für 2002 gilt für das Jahr bis September; Luxemburg - Quelle: STATEC, Zahl für 2002 ist ein Schätzwert für das Jahr bis November; Niederlande - Quelle: Zentrales Statistikamt; Norwegen - Quelle: Staatsetat 2003; Portugal - Quelle: Banco de Portugal; Spanien - Quelle: Bank of Spain; Schweden - Quelle: Statistics Sweden, Zahlen für Jahre bis zum zweiten Quartal; UK - Quelle: ONS (Output je besetzte Stelle), Zahl für 2002 gilt für das Jahr bis zum zweiten Quartal.

*** Siehe Anmerkungen zu Tabelle 1 weiter oben.

† Durchschnitt für 16 Länder; †† Durchschnitt für 13 Länder.

Tabelle 1 zeigt, dass Gewerkschaften in ganz Europa weiterhin Schwierigkeiten haben, Tarifabschlüsse zu erzielen, welche die volle Verteilungsspanne nutzen. Für 13 der Länder sind Zahlen für den gesamten Zeitraum 2001-2 verfügbar; diese Zahlen zeigen ein durchschnittliches Gesamtdefizit von 0,7 Prozentpunkten zwischen den Lohnerhöhungen und der Summe von Inflation und Produktivitätszuwächsen. Das Defizit verringerte sich von 0,5 Prozentpunkten im Jahr 2001 auf 0,2 Prozentpunkte im Jahr 2002 (obwohl die letztgenannte Zahl weniger Länder umfasst). Dies steht im Vergleich zu Defiziten von 2,4 Prozentpunkten im Jahr 2000 und 0,7 Prozentpunkten im Jahr 1999, was einem beträchtlichen Schritt in Richtung der Erreichung des Ziels der Gewerkschaften entspricht. Für das Jahr 2001 sind Zahlen für die vier Länder verfügbar, in denen die Gewerkschaften mit der 'Doorn-Formel' arbeiten, und sie übertrafen die Verteilungsspanne um durchschnittlich 0,05 Prozentpunkte. Für das Jahr 2002 sind Zahlen für Belgien, Deutschland und Luxemburg verfügbar, und wieder übertrafen sie das Ziel - dieses Mal um durchschnittlich 0,8 Prozentpunkte.

Betrachtet man den gesamten Zweijahreszeitraum, konnten die Tarifverhandlungsergebnisse in Belgien, Irland, Italien, Luxemburg, Norwegen und dem UK die Verteilungsspanne übertreffen, im Falle von Luxemburg sogar um 2,8 Prozentpunkte. Die größten Defizite waren in Griechenland, Dänemark, Portugal und Schweden zu verzeichnen. Im Jahr 2002 erreichten oder übertrafen sechs Länder die Spanne, bei sechs Ländern war dies auch im Jahr 2002 der Fall.

Insgesamt lassen die Zahlen darauf schließen, dass die nominalen Lohnerhöhungen im Jahr 2002, nach einem Anstieg im Jahr 2001, etwas maßvoller ausfielen. Bei Berücksichtigung der Inflation sind die Reallohnerhöhungen, trotz Besorgnissen über ein Nachlassen der Lohnzurückhaltung, im Jahr 2001 nicht sehr stark gestiegen, und diese Zurückhaltung verstärkte sich in der EU im Jahr 2002 leicht, wo die Reallohnerhöhungen halb so hoch lagen wie in den Jahren 1998 und 1999 (hohe Reallohnerhöhungen in Norwegen im Jahr 2002 führten jedoch zu einem leichten Anstieg für EU/EWR insgesamt). Wird die Produktivität in die Gleichung aufgenommen, erzielten die Gewerkschaften in Bezug auf die Erreichung von Lohnerhöhungen, die der Summe von Inflation und Produktivitätszuwächsen entsprechen, im Jahr 2001 und besonders im Jahr 2002 größere Erfolge als in den vorhergehenden Jahren. Es gab jedoch im Durchschnitt noch immer ein Defizit, und zwar in der großen Mehrzahl der Länder. Die Belege lassen darauf schließen, dass die wichtigsten Grundzüge für die Wirtschaftspolitik der EU im Bereich der Lohnpolitik - dass die nominalen Lohnerhöhungen im Einklang mit der Preisstabilität stehen sollten und dass Reallohnerhöhungen den Zuwachs der Arbeitsproduktivität nicht übersteigen sollten - in den meisten Mitgliedstaaten im Großen und Ganzen beachtet werden.

Tarifvertraglich vereinbarte Lohnerhöhungen nach Sektoren

Nach der Betrachtung der gesamten Wirtschaft wenden wir uns jetzt einzelnen Sektoren zu und legen im Folgenden Zahlen zu tarifvertraglich vereinbarten Lohnerhöhungen in ausgewählten Sektoren vor, die das verarbeitende Gewerbe (Chemie), Dienstleistungen (Einzelhandel) und den öffentlichen Sektor (Kernbereich des öffentlichen Dienstes) repräsentieren sollen. Zwar sind diese spezifischeren Zahlen vermutlich genauer als die im vorhergehenden Abschnitt aufgeführten allgemeinen durchschnittlichen Erhöhungen, aber dennoch wird hinsichtlich ihrer Anwendung erneut zu extremer Vorsicht geraten; auch sollten die Anmerkungen unter jeder Tabelle eingehend gelesen werden.

Zu den Faktoren, die beim Vergleich der Zahlen zu sektorbezogenen Lohnerhöhungen, die oftmals Unterschiede zwischen einzelstaatlichen Arbeitsbeziehungssystemen widerspiegeln, zu berücksichtigen sind, gehören folgende:

  • Die Zahlen wurden auf unterschiedliche Weise gewonnen - üblicherweise anhand der in dem jüngsten relevanten Sektortarifvertrag vorgesehenen grundlegenden Erhöhung, aber in einigen Fällen auch durch Ermittlung eines Durchschnittswerts aus mehreren Abschlüssen auf Unternehmensebene (z. B. im UK, oder in den Bereichen Chemikalien und Einzelhandel in den Niederlanden);
  • die Definitionen von Sektoren und die Struktur der sektorbezogenen Tarifverhandlungen unterscheiden sich von Land zu Land beträchtlich, so dass nicht immer sicher ist, dass wirklich Gleiches mit Gleichem verglichen wird;
  • das Ausmaß, in dem der tatsächliche Lohn die aufgeführten tarifvertraglich vereinbarten Lohnerhöhungen reflektiert, ist verschieden, da Bonuszahlungen und zusätzliche Zahlungen verschiedener Art in einigen Ländern eine größere Rolle spielen als in anderen;
  • Lohnerhöhungen sind nicht immer voll konsolidiert, da in Fällen wie dem Bereich der Chemikalien in Deutschland und Österreich Einmalzahlungen zur Anwendung kommen;
  • automatische Lohnindexierung kann einen beträchtlichen Teil der verzeichneten Lohnerhöhungen ausmachen (wie in Belgien und Luxemburg);
  • die jeweiligen Rollen der Tarifverhandlungen auf Sektor- und Unternehmensebene sind erneut ein wichtiger Faktor, wobei die genannten Sektorverträge in Ländern wie Frankreich, Italien und Dänemark nur Mindestwerte vorsehen, über die dann auf untergeordneter Ebene weiter verhandelt wird;
  • die Daten des Inkrafttretens der verschiedenen Tarifverträge und der entsprechenden Lohnerhöhungen unterscheiden sich beträchtlich und fallen selten mit dem Beginn des Kalenderjahrs zusammen;
  • in einigen Ländern gelten Mehrjahresverträge (wie in Belgien, Dänemark, Finnland, Irland, Italien und Schweden), bei denen die Lohnerhöhungen nicht immer in gleichen Tranchen gezahlt werden, was zu einer Verzerrung der jährlichen Zahlen führt;
  • möglicherweise beziehen sich die Tabellen nur auf eine Kategorie von Arbeitnehmern, wenn die Tarifverhandlungen getrennt für Arbeiter und Angestellte erfolgen (wie in Belgien); und
  • im öffentlichen Dienst handelt es sich bei den in den Tabellen genannten Lohnerhöhungen in einigen Fällen nicht um die Ergebnisse von Verhandlungen, sondern um von der Regierung vorgeschriebene Erhöhungen (wie in der Slowakei), obwohl dies oftmals im Anschluss an Konsultationen geschieht (wie in Portugal).

Beim Vergleich der drei Sektoren zeigt sich, dass im Jahr 2001 die durchschnittliche nominale Lohnerhöhung in der EU und Norwegen in den Bereichen Chemikalien und Einzelhandel bei 3,6 % und im Kernbereich des öffentlichen Dienstes bei 3,2 % lag (der Durchschnittswert für die gesamte Wirtschaft lag bei 3,8 %). Im Jahr 2002 sank die durchschnittliche Lohnerhöhung im Bereich Chemikalien auf 3,4 % (etwas unterhalb des gesamtwirtschaftlichen Durchschnittswerts von 3,5 %) und blieb sowohl im Einzelhandel - mit 3,6 % etwas oberhalb des gesamtwirtschaftlichen Durchschnittswerts - als auch im öffentlichen Dienst - mit 3,2 % unterhalb des gesamtwirtschaftlichen Durchschnittswerts - stabil. Während des Vierjahreszeitraums 1999-2002 lag die durchschnittliche jährliche Lohnerhöhung in den Bereichen Chemikalien und Einzelhandel bei 3,3 % und im öffentlichen Dienst bei 3,0 %. Es könnte zu erwarten sein, dass Lohnerhöhungen im öffentlichen Dienst durch den erhöhten Druck auf die öffentlichen Finanzen in Folge der WWU-Konvergenzkriterien niedrig gehalten werden; die Tatsache, dass es in diesem Sektor die geringsten allgemeinen Lohnerhöhungen seit 1999 gab, kann eine derartige Ansicht unterstützen. Lohnerhöhungen im öffentlichen Dienst scheinen jedoch für starke Schwankungen zwischen aufeinander folgenden Jahren weniger anfällig gewesen zu sein.

Sektorbezogene Daten sind für zwei Beitrittsländer verfügbar - Ungarn und Slowakei. In allen drei Sektoren lagen die tarifvertraglich vereinbarten Lohnerhöhungen weit über dem Durchschnitt für die EU und Norwegen, obwohl sie generell dem allgemeinen Abwärtstrend zwischen 2001 und 2002 folgten.

Chemie

Im Jahr 2001 lagen die im Sektor Chemie gewährten nominalen Lohnerhöhungen in der EU und Norwegen zwischen 7,5 % in Irland und 1,2 % in Frankreich - siehe Abbildung 3 weiter unten. Im Jahr 2002 verringerte sich die Spanne der gewährten Lohnerhöhungen, wobei der höchste Lohnanstieg mit 5,8 % in Griechenland und der geringste mit 1,3 % in Österreich zu verzeichnen war (für Frankreich und Norwegen sind noch keine Daten für 2002 verfügbar, während die relevanten Tarifverträge in Belgien im Jahr 2002 nur Pauschalbeträge vorsahen, die nicht prozentual ausgedrückt werden können). Die durchschnittliche Lohnerhöhung sank leicht von 3,6 % im Jahr 2001 - etwas unterhalb der Zahlen zum gesamtwirtschaftlichen Durchschnittswert (siehe Abbildung 1 weiter oben) - auf 3,4 % im Jahr 2002 - die gleiche Höhe wie der gesamtwirtschaftliche Durchschnittswert. Die Steigerungsrate sank zwischen 2001 und 2002 in acht Ländern, erhöhte sich in vier Ländern und blieb in einem Land unverändert.

Im Jahr 2001 waren die Lohnerhöhungen in der Chemie in vier Ländern genauso hoch wie die landesweite durchschnittliche Lohnerhöhung für alle Sektoren, höher in fünf Ländern (insbesondere in Belgien und den Niederlanden) und niedriger in sieben Ländern (insbesondere in Frankreich und Italien). Im Jahr 2002 waren die Lohnerhöhungen in der Chemie in drei Ländern genauso hoch wie die landesweite durchschnittliche Lohnerhöhung für alle Sektoren, höher in sieben Ländern (insbesondere in Spanien und Portugal) und niedriger in drei Ländern (insbesondere in Österreich).

Die durchschnittlichen Lohnerhöhungen von 3,6 % im Jahr 2001 und 3,4 % im Jahr 2002 stehen Lohnerhöhungen von 3,0 % in den beiden Jahren 1999 und 2000 gegenüber. Während des Vierjahreszeitraums 1999-2002 betrug die durchschnittliche jährliche Lohnerhöhung in der Chemie: weniger als 1 % in Frankreich; 2 bis 3 % in Österreich, Dänemark, Finnland, Deutschland, Italien und Spanien; 3 bis 4 % in Portugal, Schweden und dem UK; 4 bis 5 % in Griechenland, Luxemburg und den Niederlanden; und mehr als 5 % in Irland.

In Bezug auf die Beitrittsländer sind Zahlen für Ungarn und die Slowakei verfügbar. In beiden Fällen lagen die vereinbarten Lohnerhöhungen in der Chemie in den Jahren 2001 und 2002 weit über dem Durchschnittswert für die EU-Mitgliedstaaten und Norwegen und waren höher als in irgendeinem dieser Länder. Ungarn verzeichnete in beiden Jahren die höchsten Steigerungen aller untersuchten Länder, obwohl die Steigerungsrate zwischen 2001 und 2002 sank. Die Steigerungsrate war in der Slowakei stabil.

Abbildung 3. Durchschnittliche, tarifvertraglich vereinbarte Lohnerhöhungen in der Chemie, 2001 und 2002 (%)

Abbildung 3. Durchschnittliche, tarifvertraglich vereinbarte Lohnerhöhungen in der Chemie, 2001 und 2002 (%)

* Durchschnitt für 18 Länder für 2001 und Durchschnitt für 15 Länder für 2002; ** Durchschnitt für 16 Länder für 2001 und Durchschnitt für 13 Länder für 2002

Quelle: EIRO.

Die Zahlen in Abbildung 3 sollten in Verbindung mit den folgenden Anmerkungen gelesen werden.

  • Österreich: Die Zahlen beziehen sich auf sektorbezogene Tarifverträge; Lohnerhöhungen galten ab Januar 2001 beziehungsweise ab November 2002; im Jahr 2002 wurde auch eine pauschale Einmalzahlung von 50 EUR gewährt.
  • Belgien: Die Zahl für 2001 bezieht sich auf Angestellte und umfasst eine automatische Lohnindexierung von 4 % zuzüglich einer ab März 2001 geltenden Lohnerhöhung von 1 %; die Verträge sehen im Allgemeinen keine prozentualen Lohnerhöhungen vor, sondern Erhöhungen um Festbeträge - Angestellte erhielten eine Erhöhung des Monatsgehalts um EUR 12,39 ab Januar 2002, Arbeiter eine Erhöhung des Stundenlohns um EUR 0,1239 ab Januar 2002 und um EUR 0,0744 ab März 2001 (im Jahr 2002 gab es weder für Arbeiter noch für Angestellte eine Indexzahlung).
  • Dänemark: die Zahlen beziehen sich auf den Vertrag für den Sektor Industrie, bei dem das 'Mindestlohn' system Anwendung findet, in dem sektorbezogene Verträge nur Mindestsätze festlegen und es durch nachfolgende lokale Verhandlungen zu weiteren Lohnerhöhungen kommt; die Zahl für 2001 stellt die Lohnerhöhung ab März 2001 dar, die Zahl für 2002 die Lohnerhöung ab März 2002.
  • Finnland: Die Zahlen beziehen sich auf die Erhöhungen der Lohnkosten im Rahmen des zentralen Vertrages zur Einkommenspolitik für den Zeitraum 2001-2.
  • Frankreich: Zahl von DARES.
  • Deutschland: Die Zahlen, aus dem Tarifvertragsarchiv des WSI, gelten nur für den Westen Deutschlands; die Zahlen beziehen sich nur auf Grundlohnerhöhungen und umfassen keine Pauschal- und Sonderzahlungen; die Zahl für 2001 bezieht sich auf den von Juni 2001 bis Februar 2002 geltenden Sektortarifvertrag, die Zahl für 2002 auf den von April 2002 bis März 2003 geltenden Sektortarifvertrag.
  • Griechenland: Zahlen vom Griechischen Verband der Chemiearbeiter; die Zahl für 2001 bezieht sich auf den ab Januar 2001 geltenden Vertrag, die Zahl für 2002 für den ab Januar 2002 geltenden Vertrag; die Zahl für 2002 setzt sich zusammen aus einer ab Januar 2002 anwendbaren 'Korrektursumme' für 2001 in Höhe von 1,3 %, zuzüglich eines Prozentsatzes von 2,5 % ab Januar 2002 und 2 % ab Juli 2002.
  • Ungarn: Die Zahl entspricht dem Mittelwert der in den relevanten Sektortarifverträgen festgelegten Empfehlungen für Lohnerhöhungen.
  • Irland: Die Zahl für 2001 entspricht der Zahlung in Höhe von 5,5 % für den privaten und den öffentlichen Sektor im Rahmen der zweiten Phase des landesweiten Tarifvertrags des Programms für Wohlstand und Gerechtigkeit (Programme for Prosperity and Fairness- PPF) für den Zeitraum April 2001 bis März 2002 sowie einer zusätzlichen Zahlung in Höhe von 2 %, die ab April 2001, im Anschluss an eine Überprüfung des PPF, gewährt wurde, um den Arbeitnehmern einen Ausgleich für die starke Inflation zu gewähren; die Zahl für 2002 stellt die Zahlung der dritten (letzten) Phase im Rahmen des PPF in Höhe von 4 % dar, zuzüglich eines Pauschalbetrags in Höhe von 1 % im Rahmen des überprüften PPF als Inflationsausgleich für die Arbeitnehmer - die dritte Phase galt im privaten Sektor bis zum 31. Dezember 2002.
  • Italien: Zahlen aus dem monatlichen Lohnindex von Istat; die Zahl für 2001 entspricht der Hälfte der Erhöhung um 2,3 % von Dezember 2000 bis Dezember 2001; die Zahl für 2002 entspricht der Hälfte der Erhöhung um 5,5 % von Januar 2002 bis Dezember 2003.
  • Luxemburg: Zahlen aus den relevanten Tarifverträgen; die Zahl für 2001 umfasst eine automatische, indexierungsgebundene Erhöhung um 2,5 % (anwendbar ab April 2001); die Zahl für 2001 umfasst eine automatische, indexierungsgebundene Erhöhung um 2,5 % (anwendbar ab Juni 2002).
  • Niederlande: Die Zahlen entsprechen dem Durchschnittswert einer Stichprobe relevanter Tarifverträge.
  • Norwegen: Die Zahlen, die vom TBU stammen, umfassen mehr als tarifvertraglich vereinbarte Lohnerhöhungen (z. B. Lohndrift- und 'Übertragungs' effekte).
  • Portugal: Die Zahlen beziehen sich auf den Tarifvertrag für den Chemiesektor.
  • Slowakei: Die Zahl entspricht etwa dem Mittelwert der in den relevanten Sektortarifverträgen festgelegten Lohnerhöhungen.
  • Spanien: Die Zahlen, die von MTAS stammen, beziehen sich auf den Tarifvertrag für den Chemiesektor und umfassen die Auswirkung der inflationsgebundenen Lohnrevisionsklausel.
  • Schweden: Die Zahlen beziehen sich auf den im Jahr 2001 unterzeichneten Tarifvertrag für den Chemiesektor, der eine Laufzeit von 38 Monaten hatte und über den Zeitraum von 38 Monaten eine Lohnerhöhung von insgesamt 7 % vorsah; sie umfassen auch Auswirkungen von Arbeitszeitverkürzungen (insgesamt zusätzliche 1,5 %); die Zahl für 2001 bezieht sich sowohl auf Arbeiter als auch auf Angestellte; die Zahl für 2002 bezieht sich nur auf Arbeiter (1,9 % für Angestellte).
  • UK: Die Zahlen für die mittlere Erhöhung der niedrigsten Grundlohnsätze in den Bereichen 'Chemie und Mineralien' entstammen dem LRD Bargaining Report, September 2001 und September 2002; sie entsprechen einem Durchschnittswert der Tarifverträge, ohne Gewichtung nach der Anzahl der erfassten Arbeitnehmer.

Einzelhandel

Die Spanne der nominalen Lohnerhöhungen im Einzelhandelssektor in der EU und Norwegen im Jahr 2001 lag zwischen 7,5 % in Irland und 2,5 % in Dänemark (für Frankreich sind weder für 2001 noch für 2002 Daten verfügbar, während der relevante Tarifvertrag in Belgien im Jahr 2002 nur Pauschalbeträge vorsah, die nicht prozentual ausgedrückt werden können). Im Jahr 2002 verkleinerte sich die Spanne der Lohnerhöhungen ganz leicht, wobei Norwegen die Liste mit 6,2 % anführte (obwohl diese Zahl mehr umfasst als tarifvertraglich vereinbarte Erhöhungen) und Österreich mit 1,8 % das Schlusslicht bildet. Der Durchschnittswert blieb zwischen 2001 und 2002 mit 3,6 % stabil, wobei die Steigerungsrate in fünf Ländern zunahm, in sieben Ländern abnahm und in zwei Ländern stabil blieb. Die Lohnerhöhungen im Einzelhandel lagen im Jahr 2001 etwas unterhalb des gesamtwirtschaftlichen Durchschnittswerts, im Jahr 2002 etwas oberhalb dieses Wertes.

Im Jahr 2001 war die Erhöhung im Einzelhandel in einem Land genauso hoch wie die durchschnittliche landesweite Erhöhung für alle Sektoren, in acht Ländern höher (insbesondere in Italien und Norwegen) und in sechs Ländern niedriger (insbesondere in Luxemburg und den Niederlanden). Im Jahr 2002 war die Erhöhung im Einzelhandel in vier Ländern genauso hoch wie die durchschnittliche landesweite Erhöhung für alle Sektoren, in sechs Ländern höher (insbesondere in Schweden und Italien) und in vier Ländern niedriger (insbesondere in Luxemburg).

Die durchschnittlichen Erhöhungen von 3,6 % sowohl im Jahr 2001 als auch im Jahr 2002 stehen Erhöhungen von 2,8 % im Jahr 1999 und von 3,0 % im Jahr 2000 gegenüber. Während des Vierjahreszeitraums 1999-2002 betrug die durchschnittliche jährliche Erhöhung im Einzelhandel: 2 bis 3 % in Österreich, Dändemark, Finnland, Deutschland, Italien und dem UK; 3 bis 4 % in Luxemburg, den Niederlanden, Portugal, Spanien und Schweden; 4 bis 5 % in Griechenland; und mehr als 5 % in Irland und Norwegen.

In Bezug auf die Beitrittsländer sind Zahlen für Ungarn und die Slowakei verfügbar. In beiden Fällen lagen die vereinbarten Lohnerhöhungen im Einzelhandel in den Jahren 2001 und 2002 weit über dem Durchschnittswert für die EU-Mitgliedstaaten und Norwegen. In Ungarn waren in beiden Jahren die höchsten Zuwächse in den untersuchten Ländern zu verzeichnen, obwohl die Steigerungsrate zwischen 2001 und 2002 sank. In der Slowakei sank die Steigerungsrate so stark, dass das Land von mehreren der derzeitigen Mitgliedstaaten überholt wurde.

Abbildung 4. Durchschnittliche, tarifvertraglich vereinbarte Lohnerhöhungen im Einzelhandel, 2001 und 2002 (%)

Abbildung 4. Durchschnittliche, tarifvertraglich vereinbarte Lohnerhöhungen im Einzelhandel, 2001 und 2002 (%)

* Durchschnitt für 17 Länder für 2001 und Durchschnitt für 16 Länder für 2002; ** Durchschnitt für 15 Länder für 2001 und Durchschnitt für 14 Länder für 2002

Quelle: EIRO.

Die Zahlen in Abbildung 4 sind in Verbindung mit den folgenden Anmerkungen zu lesen.

  • Österreich: Die Zahlen beziehen sich auf Sektortarifverträge; die Erhöhungen fanden ab Januar 2001 bzw. ab Januar 2002 Anwendung; im Jahr 2002 wurde auch eine monatliche Pauschalzahlung in Höhe von EUR 9,50 gewährt.
  • Belgien: Die Zahlen beziehen sich auf Verträge für Supermärkte; die Zahl für 2001 umfasst nur eine automatische Lohnindexierung von 4 %, ohne dass eine weitere Erhöhung vereinbart wurde; keine prozentuale Erhöhung im Jahr 2002, aber eine monatliche pauschale Erhöhung von EUR 12,50 ab Juni 2002, zuzüglich einer Indexierungszahlung in Höhe von 2 %.
  • Dänemark: Die Zahlen beziehen sich auf die grundlegende vereinbarte Erhöhung des monatlichen Mindestlohns für ungelernte Arbeiter im Rahmen des Tarifvertrags für den Einzelhandelssektor; die Zahl für 2001 stellt die Erhöhung ab März 2001 dar, die Zahl für 2002 die Erhöhung ab März 2002.
  • Finnland: Die Zahlen beziehen sich auf die Erhöhungen der Arbeitskosten im Rahmen der Vereinbarung von 2001-2 zur zentralen Einkommenspolitik.
  • Deutschland: Die Zahlen, aus dem Tarifvertragsarchiv des WSI, beziehen sich nur auf Grundlohnerhöhungen und umfassen keine Pauschal- und Sonderzahlungen; die Zahl für 2001 bezieht sich auf den ab Mai 2001 anwendbaren 'Pilotvertrag' für den Einzelhandel für die Region Hamburg; die Zahl für 2002 bezieht sich auf den ab August 2002 anwendbaren Pilotvertrag für den Einzelhandel in der Region Baden-Württemberg.
  • Griechenland: Zahlen vom Griechischen Verband der privaten Arbeitgeber; die Zahl für 2001 umfasst Erhöhungen um 2 % ab Januar und um 1,8 % ab Juli; die Zahl für 2002 umfasst Erhöhungen um 3 % ab Januar und um 2,9 % ab Juli.
  • Ungarn: Die Zahl entspricht dem Mittelwert der in den relevanten Sektortarifverträgen festgelegten Empfehlungen für Lohnerhöhungen.
  • Irland: Die Zahl für 2001 entspricht der Zahlung in Höhe von 5,5 % im Rahmen der zweiten Phase des landesweiten Tarifvertrags des Programms für Wohlstand und Gerechtigkeit (Programme for Prosperity and Fairness- PPF) für den Zeitraum April 2001 bis März 2002 sowie einer zusätzlichen Zahlung in Höhe von 2 %, die ab April 2001, im Anschluss an eine Überprüfung des PPF, gewährt wurde, um den Arbeitnehmern einen Ausgleich für die starke Inflation zu gewähren; die Zahl für 2002 stellt die Zahlung der dritten (letzten) Phase im Rahmen des PPF in Höhe von 4 % dar, zuzüglich eines Pauschalbetrags in Höhe von 1 % im Rahmen des überprüften PPF als Inflationsausgleich für die Arbeitnehmer - die dritte Phase galt im privaten Sektor bis zum 31. Dezember 2002.
  • Italien: Zahlen aus dem monatlichen Lohnindex von Istat; Die Zahlen für 2001 und 2002 entsprechen jeweils der Hälfte einer Erhöhung um 6,2 % zwischen Januar 2001 und Januar 2003.
  • Luxemburg: Bei den Zahlen handelt es sich um EIRO-Schätzwerte; die Zahl für 2001 umfasst eine automatische, indexierungsgebundene Erhöhung um 2,5 % (anwendbar ab April 2001); die Zahl für 2002 umfasst eine automatische, indexierungsgebundene Erhöhung um 2,5 % (anwendbar ab Juni 2002).
  • Niederlande: Die Zahlen sind ein Durchschnittswert aus einer Stichprobe relevanter Tarifverträge.
  • Norwegen: Die Zahlen, die vom TBU stammen, umfassen mehr als tarifvertraglich vereinbarte Lohnerhöhungen (z. B. Lohndrift- und 'Übertragungs' effekte).
  • Portugal: Die Zahlen beziehen sich auf den Lissaboner Vertrag für den Einzelhandelssektor.
  • Slowakei: Die Zahl basiert auf relevanten Sektortarifverträgen und umfasst den Tourismus.
  • Spanien: Die Zahl für 2001, die von MTAS stammt, bezieht sich auf 'Einzelhandel und Reparaturen' und umfasst die Wirkung inflationsgebundener Lohnrevisionsklauseln; die Zahl für 2002 ist ein Schätzwert, der auf der im sektorübergreifenden Tarifvertrag vorgesehenen Lohnerhöhung basiert; dieser Vertrag enthält Leitlinien für die Tarifverhandlungen im Jahr 2002 - d. h. 2 % (prognostizierte Inflationsrate), zuzüglich eines Prozentsatzes von 1,9 % als geschätzte Differenz zwischen der prognostizierten und der tatsächlichen Inflation.
  • Schweden: Die Zahlen beziehen sich auf Tarifverträge im Einzelhandelssektor und gelten nur für Arbeiter; die entsprechenden Zahlen für Angestellte lagen bei 3 % im Jahr 2001 und bei 2,8 % im Jahr 2002.
  • UK: Die Zahlen für die mittlere Erhöhung der niedrigsten Grundlohnsätze in den Bereichen 'Einzelhandel, Vertrieb und Hotels' entstammen dem LRD Bargaining Report, September 2001 und September 2002.

Öffentlicher Dienst

Es gab im Jahr 2001 im Kernbereich des öffentlichen Dienstes in der EU und in Norwegen eine sehr große Spanne nominaler Lohnerhöhungen, und zwar von 7,5 % in Irland bis zu 1,0 % in Frankreich - siehe Abbildung 5 weiter unten (für Finnland, Italien und Spanien sind keine Daten für 2002 verfügbar). Im Jahr 2002 verringerte sich die Spanne der Erhöhungen etwas, wobei Griechenland die Liste mit 5,8 % anführte und Österreich mit 0,8 % das Schlusslicht bildete (eine Zahl, die rückblickend inflationsbereinigt werden sollte, obwohl dies derzeit noch erörtert wird). Die durchschnittliche Erhöhung blieb zwischen 2001 und 2002 mit 3,2 % stabil, wobei die Steigerungsrate in sieben Ländern anstieg, in fünf Ländern sank und in einem Land stabil blieb. Die Lohnerhöhungen im öffentlichen Dienst lagen in beiden Jahren unterhalb des gesamtwirtschaftlichen Durchschnitts, aber die Differenz sank von 0,6 Prozentpunkten im Jahr 2001 auf 0,3 Prozentpunkte im Jahr 2002.

Im Jahr 2001 war die Lohnerhöhung im öffentlichen Dienst in zwei Ländern genauso hoch wie die landesweite, durchschnittliche Erhöhung für alle Sektoren, in zwei Ländern höher (Dänemark und Griechenland) und in 12 Ländern niedriger (insbesondere Belgien, Frankreich und Spanien). Im Jahr 2002 war die Lohnerhöhung im öffentlichen Dienst in zwei Ländern genauso hoch wie die landesweite, durchschnittliche Erhöhung für alle Sektoren, in zwei Ländern höher (erneut Dänemark und Griechenland) und in neun Ländern niedriger (insbesondere Belgien und die Niederlande).

Die durchschnittlichen Erhöhungen um 3,2 % in den beiden Jahren 2001 und 2002 stehen Erhöhungen um 2,7 % im Jahr 1999 und um 3,0 % im Jahr 2000 gegenüber. Während des Vierjahreszeitraums 1999-2002 betrug die durchschnittliche jährliche Erhöhung im öffentlichen Dienst: winiger als 1 % in Frankreich; 1 bis 2 % in Österreich und Italien; 2 bis 3 % in Belgien, Finnland, Deutschland, Spanien und Schweden; 3 bis 4 % in Dänemark, Griechenland, den Niederlanden, Portugal und dem UK; 4 bis 5 % in Luxemburg und Norwegen; und mehr als 6 % in Irland.

In Bezug auf die Beitrittsländer sind Zahlen für Ungarn und die Slowakei verfügbar. In beiden Fällen lagen die Lohnerhöhungen im öffentlichen Dienst in den Jahren 2001 und 2002 weit über dem Durchschnittswert für die EU-Mitgliedstaaten und Norwegen. Ungarn verzeichnete die stärkste Lohnerhöhung in den untersuchten Ländern im Jahr 2001, obwohl die Steigerungsrate im Jahr 2002 stark zurückging. Die Slowakei verzeichnete die stärkste Lohnerhöhung in den untersuchten Ländern im Jahr 2002; sie war fast doppelt so hoch wie im Jahr 2001.

Abbildung 5. Durchschnittliche, tarifvertraglich vereinbarte Lohnerhöhungen im Kernbereich des öffentlichen Dienstes, 2001 und 2002 (%)

Abbildung 5. Durchschnittliche, tarifvertraglich vereinbarte Lohnerhöhungen im Kernbereich des öffentlichen Dienstes, 2001 und 2002 (%)

* Durchschnitt für 18 Länder für 2001 und Durchschnitt für 15 Länder für 2002; ** Durchschnitt für 16 Länder für 2001 und Durchschnitt für 13 Länder für 2002

Quelle: EIRO.

Die Zahlen in Abbildung 5 sind in Verbindung mit den folgenden Anmerkungen zu lesen.

  • Österreich: Die Zahlen beziehen sich auf den Vertrag zwischen der Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes (GÖD) und der Regierung für die Jahre 2001-2; die Zahl für 2002 sollte rückblickend inflationsbereinigt werden, aber dies wird derzeit noch erörtert.
  • Belgien: Die Zahlen beziehen sich nur auf eine automatische Indexierung in Höhe von 2 % in beiden Jahren, da weder im Jahr 2001 noch im Jahr 2002 eine weitere Erhöhung vereinbart wurde.
  • Dänemark: Zahlen von der staatlichen Arbeitgeberbehörde (Personalestyrelsen).
  • Finnland: Zahl von Statistics Finland.
  • Frankreich: Die Zahlen stellen die jährliche Änderung des monatlichen Grundlohns für Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst dar (gemäß der ACEMO-Erhebung); die Zahl für 2002 gilt für das Jahr bis September.
  • Deutschland: Die Zahlen, aus dem Tarifvertragsarchiv des WSI, beziehen sich auf den Tarifvertrag für nicht beamtete Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst - die Gehaltserhöhungen für Beamte werden durch Gesetz festgelegt, allerdings üblicherweise im Einklang mit dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst; die Zahlen beziehen sich nur auf Grundlohnerhöhungen und umfassen keine Pauschal- und Sonderzahlungen; die Zahl für 2001 bezieht sich auf eine von August 2000 bis August 2001 geltende Erhöhung, die Zahl für 2002 auf eine von September 2001 bis Oktober 2002 geltende Erhöhung.
  • Griechenland: Zahlen von der Bank of Greece.
  • Irland: Die Zahl für 2001 entspricht der Zahlung in Höhe von 5,5 % im Rahmen der zweiten Phase des landesweiten Tarifvertrags des Programms für Wohlstand und Gerechtigkeit (Programme for Prosperity and Fairness- PPF) für den Zeitraum April 2001 bis März 2002 sowie einer zusätzlichen Zahlung in Höhe von 2 %, die ab April 2001, im Anschluss an eine Überprüfung des PPF, gewährt wurde, um den Arbeitnehmern einen Ausgleich für die starke Inflation zu gewähren; die Zahl für 2002 stellt die Zahlung der dritten (letzten) Phase im Rahmen des PPF in Höhe von 4 % dar, zuzüglich eines Pauschalbetrags in Höhe von 1 % im Rahmen des überprüften PPF als Inflationsausgleich für die Arbeitnehmer - die dritte Phase galt im öffentlichen Sektor bis zum 30. Juni 2003.
  • Italien: Zahl aus dem monatlichen Lohnindex von Istat; die Zahl für 2001 stellt ein Viertel einer Erhöhung um 7,4 % zwischen Januar 1998 und Dezember 2001 dar.
  • Luxemburg: Die Zahl für 2001 umfasst eine automatische, indexierungsgebundene Erhöhung um 2,5 % (anwendbar ab April 2001); die Zahl für 2002 umfasst eine automatische, indexierungsgebundene Erhöhung um 2,5 % (anwendbar ab Juni 2002).
  • Niederlande: Zahlen vom Zentralen Statistikamt.
  • Norwegen: Die Zahlen, die vom TBU stammen, umfassen mehr als tarifvertraglich vereinbarte Lohnerhöhungen (z. B. Lohndrift- und 'Übertragungs' effekte).
  • Portugal: Erhöhungen werden nach Konsultationen durch Anordnungen der Regierung festgelegt; die Zahlen beziehen sich auf Anordnungen vom 8. Februar 2001 beziehungsweise vom 28. Januar 2002.
  • Slowakei: Es gab vor dem Jahr 2003 keine Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst, die Lohnerhöhungen wurden gesetzlich festgelegt; die Zahl für 2002 ist eine Prognose.
  • Spanien: Die Zahl, die von MTAS stammt, bezieht sich auf 'öffentliche Verwaltung, Verteidigung, soziale Sicherheit und außerregionale Stellen' und umfasst die Auswirkung inflationsgebundener Lohnrevisionsklauseln.
  • Schweden: Die Zahlen beziehen sich auf die relevanten Tarifverträge; die Zahl für 2001 bezieht sich sowohl auf Arbeiter als auch auf Angestellte; die Zahl für 2002 bezieht sich nur auf Arbeiter (2,2 % für Angestellte).
  • UK: Die Abschlüsse für den Kernbereich des öffentlichen Dienstes sind unterschiedlich, da es etwa 173 getrennte Verhandlungsgruppen und verschiedene Lohnmechanismen gibt, darunter auch Leistungslohn; die angegebenen Zahlen stellen einen ungewichteten Durchschnittswert der Abschlüsse dar - entnommen dem LRD Bargaining Report, September 2001 und September 2002 - für Steuerbehörde (58.000 Mitarbeiter), Innenministerium (10.000), Ministerium für Handel und Industrie (6.000) und, nur im Jahr 2002, Gesundheitsministerium (4.500); die Erhöhungen um 2,5 %und 3 % für das Innenministerium beziehungsweise das Ministerium für Handel und Idustrie könnten sich mit Orts- und Qualifikationszulagen auf 3,3 % beziehungsweise 5 % erhöhen.

Durchschnittlicher Verdienst

In der obigen Analyse werden tarifvertraglich vereinbarte Lohnerhöhungen untersucht, die überwiegend auf dem Inhalt von Tarifverträgen basieren. Eindeutigere Angaben zur tatsächlichen Entwicklung der Einkommen von Arbeitnehmern erhält man durch Zahlen zum Verdienst, die üblicherweise auf einer Erhebung des Verdienstes der einzelnen Arbeitnehmer beruhen und Elemente wie Bonuszahlungen und Überstundenzuschläge umfassen. Abbildung 6 enthält Daten zu Erhöhungen des durchschnittlichen Verdienstes in den Jahren 2001 und 2002 (allerdings sind für Finnland und Portugal keine Zahlen für das Jahr 2002 verfügbar, was für Österreich für beide Jahre gilt - und einige Zahlen für 2002 sind partiell).

Erneut wird zu extremer Vorsicht geraten, und die Anmerkungen unter der Tabelle sollten eingehend gelesen werden. Die Art der Statistiken und die Definitionen des Verdienstes unterscheiden sich von Land zu Land beträchtlich, und in einigen Fällen (beispielsweise Belgien) beziehen sich die Zahlen nur auf bestimmte Arbeitnehmergruppen.

In der EU und Norwegen lag die Spanne der Erhöhungen des Durchschnittsverdienstes im Jahr 2001 zwischen 9,0 % in Irland und 1,9 % in Deutschland, während die Extreme im Jahr 2002 Griechenland mit 7,0 % und erneut Deutschland mit 1,7 % waren. Die durchschnittliche Steigerungsrate in den untersuchten Ländern insgesamt sank von 4,3 % im Jahr 2001 auf 4,1 % im Jahr 2002 (obwohl der letztgenannte Durchschnittswert auf einer geringeren Anzahl Länder basiert), was bedeutet, dass ein von 1998 bis 2001 anhaltender Aufwärtstrend beendet wurde (der Durchschnitt lag im Jahr 1998 bei 3,1 %, im Jahr 1999 bei 3,5 % und im Jahr 2000 bei 3,9 %). Dies scheint die bereits für den tarifvertraglich vereinbarten Durchschnittslohn festgestellte Trendwende zu bestätigen.

Beim Vergleich mit den Daten für tarifvertraglich vereinbarte Lohnerhöhungen tragen die Zahlen zum Verdienst dazu bei, in gewissem Maße die Verzerrungen auszugleichen, die beispielsweise durch die Tatsache verursacht werden, dass die relevanten Tarifverträge in einigen Ländern nur Mindestsätze vorsehen. Die Verdienststeigerungen sind somit in Dänemark, Finnland, Griechenland, Irland, Portugal, Schweden und dem UK beträchtlich höher als die vereinbarten Lohnerhöhungen (allerdings sind sie in Ländern wie Deutschland geringer). Insgesamt sind die durchschnittlichen Verdienststeigerungen höher als die vereinbarten Lohnerhöhungen.

Werden nur die Länder des Euro-Gebiets (und diejenigen, für die Zahlen verfügbar sind) berücksichtigt, lag die durchschnittliche Verdienststeigerung mit 4,4 % im Jahr 2001 um 0,1 Prozentpunkt über der Verdienststeigerung in der gesamten Gruppe der EU/EWR-Länder. Im Jahr 2002, als der Durchschnitt im Euro-Gebiet bei 3,8 % und der EU/EWR-Durchschnitt bei 4,1 % lag, war das Verhältnis umgekehrt (obwohl der Durchschnitt für 2002 auf einer geringeren Anzahl Länder beruht).

Es sind Daten für drei Beitrittsländer verfügbar - Ungarn, Polen und Slowakei. Im Jahr 2001 verzeichneten alle drei Länder Erhöhungen des Durchschnittsverdienstes (im Durchschnitt mehr als 11 %), die sehr viel höher lagen als der Durchschnitt für die EU und Norwegen - wobei der entsprechende Wert für Ungarn sogar bei 17,9 % lag. Im Jahr 2002 verzeichneten Ungarn und die Slowakei einen weiteren Anstieg der Steigerungsrate, aber in Polen sank diese dramatisch auf 1,7 % (der Durchschnittswert für die drei Länder sank somit unter 10 %).

Abbildung 6. Erhöhungen des Durchschnittsverdienstes, 2001 und 2002 (%)

Abbildung 6. Erhöhungen des Durchschnittsverdienstes, 2001 und 2002 (%)

* Durchschnitt für 18 Länder für 2001 und Durchschnitt für 16 Länder für 2002; ** Durchschnitt für 15 Länder für 2001 und Durchschnitt für 13 Länder für 2002

Quelle: EIRO.

Die Zahlen in Abbildung 6 sind in Verbindung mit den folgenden Anmerkungen zu lesen.

  • Belgien: Die Zahlen beziehen sich nur auf Arbeiter (die entsprechenden Zahlen für Angestellte lagen bei 3,2 % im Jahr 2001 und bei 2,9 % im Jahr 2002); die Zahlen stellen die Summe der tarifvertraglich vereinbarten Lohnerhöhungen dar (1,3 % im Jahr 2001 und 1,5 % im Jahr 2002), zuzüglich der automatischen Lohnindexierung und der Auswirkungen der Arbeitszeitverkürzung; die Zahlen, vom Ministerium für Arbeit und Beschäftigung, gelten für die Jahre bis September.
  • Dänemark: Zahlen vom Finanzministerium.
  • Finnland: Zahl von Statistics Finland.
  • Frankreich: Die Zahlen stellen die jährliche Änderung des monatlichen Grundlohns für alle Beschäftigten im privaten Sektor dar (gemäß der ACEMO-Erhebung); die Zahl für 2002 gilt für das Jahr bis September.
  • Deutschland: Die Zahlen, vom Statistischen Bundesamt Deutschland, beziehen sich auf die jährliche Erhöhung der Bruttolöhne und -gehälter.
  • Griechenland: Zahlen von der Bank of Greece; die Zahl für 2002 ist ein Schätzwert.
  • Ungarn: Zahlen vom Zentralen Statistikamt; die Zahl für 2002 gilt für Januar bis Oktober.
  • Irland: Die Zahlen, vom Zentralen Statistikamt (Central Statistical Office), beziehen sich auf den durchschnittlichen Wochenverdienst in der Industrie; die Zahl für 2002 gilt für das Jahr bis September.
  • Italien: Zahlen aus der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung; die Zahl für 2002 gilt für das Jahr bis zum dritten Quartal.
  • Luxemburg: Die Zahl für 2001 wurde berechnet als die Hälfte der für den Zweijahreszeitraum 2000-1 verzeichnete Erhöhung um 3,5 %, zuzüglich einer automatischen Lohnindexierung in Höhe von 2,5 %; die Zahl für 2002 ist ein Schätzwert und umfasst auch eine automatische Lohnindexierung in Höhe von 2,5 %.
  • Niederlande: Die Zahlen, vom Zentralen Statistikamt (Centraal Bureau voor de Statistiek, CBS), beziehen sich auf Gebiete, die von Tarifverträgen erfasst werden.
  • Norwegen: Die Zahlen, die vom TBU stammen, stellen die gesamten jährlichen Lohnerhöhungen dar (einschließlich von Lohndrift- und 'Übertragungs' effekten aus vorangegangenen Jahren).
  • Polen: Die Zahlen, vom Zentralen Statistikamt (GUS), beziehen sich auf Durchschnittslohnerhöhungen in der polnischen Wirtschaft; die Zahl für 2002 gilt für das Jahr bis zum Ende des dritten Quartals.
  • Portugal: Zahl von der Banco de Portugal.
  • Slowakei: Zahl für 2001 vom Ministerium für Arbeit, Soziales und Familie; die Zahl für 2002 ist eine Prognose des slowakischen Statistikamts.
  • Spanien: Die Zahlen, vom nationalen Statistikamt (INE), beziehen sich auf die Erhöhung der monatlichen Arbeitskosten je Arbeitnehmer; die Zahl für 2002 gilt für das Jahr bis zum dritten Quartal.
  • Schweden: Zahlen vom schwedischen Institut für Vermittlung; die Zahl für 2001 bezieht sich auf Januar 2000 bis Januar 2001; die Zahl für 2002 bezieht sich auf Januar 2001 bis Januar 2002.
  • UK: Zahlen vom Amt für nationale Statistiken (Office for National Statistics); die Zahl für 2002 ist vorläufig und bezieht sich auf die 12 Monate bis September 2002.

Mindestlöhne

In zwölf der neunzehn betrachteten Länder gibt es einen landesweit geltenden Mindestlohn, der entweder durch Gesetz oder durch einen sektorübergreifenden Vertrag mit landesweiter Gültigkeit festgelegt wurde. Abbildung 7 enthält für diese Länder Daten zu den Erhöhungen des Mindestlohns in den Jahren 2001 und 2002. Diese Mindestlöhne werden im Allgemeinen durch eine Art von Indexierungsmechanismus erhöht, ferner in einigen Ländern durch politische Entscheidungen.

Werden die neun betroffenen EU-Mitgliedstaaten betrachtet, lagen die Mindestlohnerhöhungen im Jahr 2001 zwischen 10,8 % (UK) und 2,0 % (Belgien und Spanien) und im Jahr 2002 zwischen 6,4 % (Irland) und 2,0 % (Belgien und Spanien). Die allgemeine durchschnittliche Steigerungsrate sank beträchtlich von 4,9 % im Jahr 2001 auf 3,5 % im Jahr 2002 (der Durchschnitt lag bei 2,8 % im Jahr 2000, bei 2,9 % im Jahr 1999 und bei 2,6 % im Jahr 1998). Die durchschnittliche Erhöhung der Mindestlöhne war somit im Jahr 2001 um 1,1 Prozentpunkte höher als die durchschnittliche Erhöhung der tarifvertraglich vereinbarten Löhne, aber im Jahr 2002 genauso hoch. Auf einzelstaatlicher Ebene hinkten die Mindestlohnerhöhungen im Jahr 2001 in Irland und den Niederlanden sowie - noch ausgeprägter - in Belgien und Spanien hinter den durchschnittlichen, tarifvertraglich vereinbarten Lohnerhöhungen hinterher, während sie in Frankreich, Luxemburg, Portugal (und sehr ausgeprägt im UK) die vereinbarten Erhöhungen überstiegen. Im Jahr 2002 hinkten die Mindestlohnerhöhungen in Belgien (besonders ausgeprägt), Luxemburg und Spanien (besonders ausgeprägt) hinter den durchschnittlichen Erhöhungen hinterher, während sie diese in Irland, den Niederlanden, Portugal und im UK überstiegen (die beiden Erhöhungen waren in Griechenland in beiden Jahren identisch).

In allen drei betrachteten Beitrittsländern gibt es einen landesweit geltenden Mindestlohn. Der ungarische Mindestlohn wirde im Jahr 2001 mehr als verdoppelt und im Jahr 2002 um weitere 40 % erhöht. Der slowakische Mindestlohn wurde in beiden Jahren um mehr als 11 % erhöht, während der polnische Mindestlohn - nach einer beträchtlichen Erhöhung im Jahr 2001 - im Jahr 2002 eingefroren wurde. Die im Allgemeinen hohen - und in Ungarn massiven - Erhöhungen bedeuten, dass der Durchschnitt für alle betrachteten Länder mehr als verdoppelt wird, wenn die drei Länder einbezogen werden.

Abbildung 7. Erhöhung des einzelstaatlichen Mindestlohns, 2001 und 2002 (%)

Abbildung 7. Erhöhung des einzelstaatlichen Mindestlohns, 2001 und 2002 (%)

* Durchschnitt für 12 Länder; ** Durchschnitt für 9 Länder

Quelle: EIRO.

Die Statistik in Abbildung 7 ist in Verbindung mit den folgenden Anmerkungen zu lesen.

  • Belgien: Die Erhöhung spiegelt nur die Indexierung wider, die Erhöhung für 2001 galt ab Juni; die Erhöhung für 2002 galt ab Februar.
  • Frankreich: Die Erhöhungen galten ab Juli jeden Jahres; die angegebenen Erhöhungen beziehen sich auf den Mindeststundenlohn (Erläuterungen sind in FR0207105F zu finden).
  • Griechenland: Die Zahlen beziehen sich auf die in den landesweit geltenden allgemeinen Tarifverträgen für 2000-1 und 2002-3 festgelegten Mindestsätze.
  • Ungarn: Die Erhöhung für 2001 wurde ab dem 1. Januar gewährt; die Zahl für 2002 umfasst eine am 1. Januar gewährte Erhöhung um 25 % und eine am 1. September gewährte Erhöhung um 15,9 % (die letztgenannte Erhöhung bezieht sich auf den Anstieg des Netto-Mindestlohns aufgrund von Einkommensteueränderungen).
  • Irland: Die Erhöhung des landesweit geltenden Mindestlohns im Jahr 2001 galt ab Juli 2001, die Erhöhung im Jahr 2002 ab Oktober 2002.
  • Luxemburg; Die Zahl für 2001 umfasst eine per Gesetz im Januar 2001 gewährte Erhöhung um 3,1 %, zuzüglich einer im April 2001 gewährten Erhöhung um 2,5 % im Rahmen der automatischen Indexierung; die Zahl für 2002 umfasst nur eine im Juni 2002 gewährte Erhöhung im Rahmen der automatischen Indexierung.
  • Niederlande: Die Zahl für 2001 umfasst eine am 1. Januar gewährte Erhöhung um 1,93 % und eine am 1. Juli gewährte Erhöhung um 2,25 %; Die Zahl für 2002 umfasst eine am 1. Januar gewährte Erhöhung um 2,22 % und eine am 1. Juli gewährte Erhöhung um 2,09 %.
  • Portugal: Die Erhöhungen erfolgten per Gesetz im Dezember jeden Jahres.
  • Slowakei: Die Erhöhungen wurden im Oktober jeden Jahres gewährt.
  • Spanien: Die Erhöhungen erfolgten per Gesetz im Januar jeden Jahres.
  • UK: Die Zahlen beziehen sich auf den Stundensatz für Erwachsene; die Erhöhungen wurden im Oktober jeden Jahres gewährt.

Geschlechtsspezifische Lohnunterschiede

Die expliziten Lohnbedingungen der oben betrachteten Tarifverträge und Mindestlohngesetze sind geschlechtsneutral - sie sehen keine unterschiedlichen Lohnsätze oder Erhöhungen für Frauen und für Männer vor (Derartiges würde selbstverständlich gegen die EU-Rechtsvorschriften und die einzelstaatlichen Rechtsvorschriften über die Gleichheit des Arbeitsentgelts verstoßen). Es bleibt jedoch die Tatsache bestehen, dass Frauen in allen hier erfassten Ländern durchschnittlich weniger verdienen als Männer. In Abbildung 8 wird diese geschlechtsspezifische Lohndifferenz aufgezeigt, indem der Durchschnittslohn von Frauen als Prozentsatz des Durchschnittslohns von Männern dargestellt wird.

Die geschlechtsspezifische Lohndifferenz ist in Österreich (mit 33 %) am größten und in Luxemburg (mit 11 %) am geringsten; sie liegt im Durchschnitt in der EU und in Norwegen bei 19,2 % - ein leichter Rückgang gegenüber der in unserer Datenübersicht für das Jahr 2001 ermittelten Differenz von 20,4 %. Die geschlechtsspezifische Lohnstatistik scheint jedoch durch Ausschläge nach oben und nach unten zwischen aufeinanderfolgenden Jahren charakterisiert zu werden, und es ist nicht anzunehmen, dass der Rückgang über einen solch kurzen Zeitraum signifikant ist. Sofern Daten zu einzelnen Ländern für mehrere Jahre innerhalb des Zeitraums 1999-2002 verfügbar sind, zeigen diese geringe Zunahmen (z. B. in Frankreich, der Slowakei und dem UK) oder Rückgänge (z. B. in Dänemark) der geschlechtsspezifischen Lohndifferenz, die vermutlich aus einer Vielzahl von Gründen auftreten. Beispielsweise vergrößerte sich die geschlechtsspezifische Lohndifferenz im UK zwischen 2001 und 2002 leicht von 18,5 % auf 18,9 %, weil es zu unverhältnismäßigen Lohnerhöhungen für höher bezahlte Arbeitnehmer kam, von denen die Mehrzahl Männer sind. Ferner lassen sich einige Unterschiede gegenüber den Zahlen in der EIRO-Lohnfortschreibung für 2001 (TN0202102U) durch die Quelle/Art der verwendeten Daten erklären (wie bei Frankreich).

Werden die drei Beitrittsländer einbezogen, liegt die durchschnittliche, geschlechtsspezifische Lohndifferenz weiterhin unverändert bei 19,2 %. Die Differenz in Polen liegt beträchtlich unterhalb des Durchschnitts, während diejenige in Ungarn etwa der Norm entspricht und diejenige in der Slowakei beträchtlich unterhalb des Durchschnitts liegt.

Auch wenn die obigen Zahlen ein allgemeines Bild der Situation liefern, sollten die in den Anmerkungen hervorgehobenen länderspezifischen Unterschiede zwischen den Berechnungsmethoden beachtet werden. Die beträchtlichen Probleme hinsichtlich der Zusammenstellung und des Vergleichs geschlechtsspezifischer Lohnstatistiken werden in einer vergleichenden Studie von EIRO aus dem Jahr 2001 untersucht - TN0201101S (Mark Carley, SPIRE Associates).

Abbildung 8. Durchschnittslohn von Frauen als Prozentsatz des Durchschnittslohns von Männern, jüngste Zahlen

Abbildung 8. Durchschnittslohn von Frauen als Prozentsatz des Durchschnittslohns von Männern, jüngste Zahlen

Anmerkungen: Die Zahlen gelten für 2001, mit Ausnahme von *1998, **2000 und ***2002; die Zahlen beziehen sich auf den durchschnittlichen Stundenlohn, sofern in den folgenden Anmerkungen nicht anders angegeben; **** Durchschnitt.

Quelle: EIRO.

Die Zahlen in Abbildung 8 sind in Verbindung mit den folgenen Anmerkungen zu lesen.

  • Österreich: Zahl von der Arbeiterkammer Niederösterreich.
  • Belgien: Die Zahl, die vom Ministerium für Arbeit und Beschäftigung stammt, bezieht sich auf den privaten Sektor und vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer - die entsprechende Zeit für Teilzeitbeschäftigte im privaten Sektor betrug 99,8 %, und die entsprechenden Zahlen für den öffentlichen Sektor lagen bei 92,6 % für Vollzeitbeschäftigte und bei 87,6 % für Teilzeitbeschäftigte.
  • Dänemark: Die Zahl, die von Statistics Denmark stammt, bezieht sich auf den privaten Sektor - die entsprechende Zahl für den staatlichen Sektor lag bei 90,9 %; der Wert von Rentenzahlungen und Urlaubsgeld ist in den für die Berechnung des Prozentsatzes verwendeten Zahlen enthalten.
  • Finnland: Zahl von Statistics Finland.
  • Frankreich: Die Zahl wurde der Erhebung des nationalen Instituts für Statistik und Wirtschaftsstudien (Institut national de la statistique et des études économiques, INSEE) zur Beschäftigung entnommen.
  • Deutschland: Die Zahl, die vom Statistischen Bundesamt stammt, bezieht sich nur auf Arbeiter im verarbeitenden Gewerbe - die entsprechende Zahl für Angestellte im verarbeitenden Gewerbe lag bei 73,6 %.
  • Griechenland: Zahl vom nationalen Statistikdienst (ESYE).
  • Ungarn: EIRO-Berechnung, basierend auf dem Monatsverdienst gemäß den Angaben in der individuellen Lohnerhebung des nationalen Ministeriums für Beschäftigung.
  • Irland: Die Zahl, die vom zentralen Statistikamt (Central Statistical Office- CSO) stammt, bezieht sich auf den durchschnittlichen Stundenverdienst.
  • Italien: Die Zahl, die von der Bank of Italy stammt, bezieht sich auf das Jahreseinkommen.
  • Luxemburg: Zahl vom Centre d'Etudes de Populations, de Pauvreté et de Politiques Socio-Economiques/International Networks for Studies in Technology, Environment, Alternatives, Development (CEPS/INSTEAD).
  • Niederlande: Bei der Zahl handelt es sich um einen auf verschiedenen Quellen basierenden Schätzwert.
  • Norwegen: Bei der Zahl handelt es sich um den Durchschnittswert für Vollzeitbeschäftigte in den meisten Sektoren; die Zahl basiert auf Lohnstatistiken von Statistics Norway und weicht von früheren Zahlen für die geschlechtsspezifische Lohndifferenz, die auf Erhebungen zu den Lebensbedingungen basierten, ab.
  • Polen: Zahl vom zentralen Statistikamt (GUS).
  • Portugal: Zahl von DETEFP.
  • Slowakei: Die Zahl wurde den Lohnstrukturdaten des slowakischen Statistikamtes entnommen.
  • Spanien: Die Zahl, die der Lohnerhebung des nationalen Statistikinstituts (Instituto Nacional de Estadística, INE) entnommen wurde, bezieht sich auf den durchschnittlichen Stundenverdienst (einschließlich Überstundenzuschlag) als Prozentsatz des Gesamtlohns.
  • Schweden: Die Zahl, die von Sweden Statistics stammt, bezieht sich auf den Monatslohn.
  • UK: Die Zahl, die aus der neuen Verdiensterhebung des Office for National Statistics (ONS) stammt, bezieht sich auf den durchschnittlichen Stundenverdienst ohne Überstundenzuschlag von Vollzeitbeschäftigten und gilt für die Sätze für Erwachsene und für alle Branchen (die in der EIRO-Fortschreibung für 2001 verwendete Zahl basierte auf dem Bruttoverdienst, der die geschlechtsspezifische Lohndifferenz verzerren kann, weil Männer viel mehr Überstunden leisten); die leichte Vergrößerung der geschlechtsspezifischen Lohndifferenz zwischen 2001 und 2002 ist durch unverhältnismäßige Lohnerhöhungen für höher bezahlte Arbeitnehmer zu erklären, von denen die Mehrzahl Männer sind.